Der Grad des Eifers und des Schreckens, mit denen wankende Götzen verteidigt werden, zeigt, wie weit die Dämmerung schon fortgeschritten ist.

Max Horkheimer

Victor Otto Stomps

In Stierstadt im Taunus, in seinem „Schloß Sanssouris“, gründete er nach dem Krieg den Ein-Mann-Verlag „Eremitenpresse“. VauO Stomps’ Bücher hatten den frühen Charme der späteren Raubdrucke, er selber hatte ein Gespür für Originale und Talente und die Gabe zu burschikoser, alkoholgeschwängerter Freundschaft. Jetzt ist Deutschlands größter Kleinstverleger zweiundsiebzigjährig in Berlin gestorben. Hier hatte er einstens auch angefangen, als er 1927, zusammen mit Jean Gebser, eine Handpresse kaufte, sie in seinem Zimmer aufstellte und mit ihr die „Rabenpresse“ schuf, seinen ersten Verlag.

Hochschul-Träume

Noch nie sind in Gedanken und Worten so viele Universitäten gegründet worden wie jetzt. Häufig spielen dabei Bürgerinitiativen eine Rolle. So bewirbt sich in Baden-Württemberg die Stadt Heilbronn um eine Gesamthochschule. In Bayern möchten Bayreuth, Bamberg und Passau Sitz einer Universität werden. In allen drei Städten gründeten die Bürger deshalb Universitätsvereine. Eine zweite Universität wird für Hamburg gefordert, darüber hinaus für den unterentwickelten norddeutschen Raum Hochschul-Zentren in Flensburg, Lübeck, Osnabrück, Oldenburg und im Regierungsbezirk Lüneburg/Stade. Die hessische Landesregierung hat die Errichtung einer Gesamthochschule in Kassel beschlossen. Auch die Bischofsstadt Fulda möchte sich für eine Hochschule stark machen. Für eine geplante Nordost-Universität in Niedersachsen bewerben sich die Städte Lüneburg, Harburg und Ülzen. In Nordrhein-Westfalen. hat die Landesregierung versprochen, acht neue Universitäten zu errichten. Abzuwarten bleibt, ob so vielen Beteuerungen auch ein paar Werke folgen.

Die höchste Premiere der Welt

Man sage nicht, den Filmleuten fiele nichts ein. Die nächste Premiere kann man mit der Bemerkung etikettieren: „Noch nie dagewesen.“ Das Werk, ein Farbfilm der Terra Filmkunst im Constantin-Verleih, wurde unter der Regie von Harald Reinl („Kriemhilds Rache“) auf allen Kontinenten gedreht. Er heißt „Erinnerungen an die Zukunft“ und wurde nach dem gleichnamigen Buch sowie nach dem Buch „Zurück zu den Sternen“ von Erich von Däniken gedreht (der schon auf sehr verschiedene Weise von sich reden These te). Im Film wird unter anderem Dänikens These behandelt, daß die heutigen Raumfahrten der Astronauten nichts Neues darstellen, sondern daß es auch auf anderen Gestirnen Lebewesen mit hochentwickelter Technik gegeben habe. Eine umstrittene These, wie man weiß. Fest steht dagegen, daß die Uraufführung in keinem Kino der Welt, sondern in der Luft stattfindet, in 11 000 Meter Höhe, in einer Boeing 747 der Lufthansa, die am 26. April von Frankfurt nach New York fliegt. Die Lufthansa hat mit dem Constantin-Verleih einen „Exklusiv-Vertrag für die Spielfilme auf dem Weg von Europa nach den USA abgeschlossen“, wie es heißt. Dem Film ist jede Aufmerksamkeit zu wünschen. Zu hoffen ist aber auch, daß es bei solchen Uraufführungen nicht auf eine umgekehrte Proportion hinausläuft: Je höher die Aufführung, desto tiefer das Niveau des Films.