In Anwesenheit von Bundespräsident Heinemann und der Bundesregierung hat der Deutsche Bundestag Abschied von dem in Guatemala ermordeten Botschafter Karl Graf von Spreti genommen. Während einer Trauerfeier im Plenarsaal setzte sich Bundesaußenminister Walter Scheel für wirksame internationale Abmachungen zum Schutz der Vertreter fremder Staaten ein. Es gehe darum, „trotz brutalisierter Methoden im innerpolitischen Machtkampf“ das „immer noch kostbare Friedensinstrument der Diplomatie“ zu erhalten.

Die sterblichen Überreste Botschafter von Spretis waren am Wochenende auf dem Köln-Bonner Flughafen mit militärischen Ehren empfangen worden. An Bord der Sondermaschine der Bundesluftwaffe, mit der sie auf deutschem Boden eintrafen, kehrten auch Bundesaußenminister Scheel sowie die Witwe und die Kinder des Toten zurück. Scheel hatte dem guatemaltekischen Staatspräsidenten Mendes Montenegro eine Protesterklärung der Bundesregierung überbracht. Der deutsche Geschäftsträger in Guatemala, Gerhard Mikesch, hat den mittelamerikanischen Staat inzwischen verlassen. Vier Tage nach der Ermordung Graf von Spretis war auch der guatemaltekische Botschafter in Bonn, Antonio Gandara, abgereist.

Das Verhalten von Bundesaußenminister Scheel im Zusammenhang mit dem Verbrechen an Botschafter Spreti ist von der Opposition scharf kritisiert worden. In einer Stellungnahme der CDU hieß es, niemand könne Scheel verübeln, wenn er dem ermordeten Diplomaten am Ort des Verbrechens die letzte Ehre erweisen wolle. Es zeuge jedoch nicht von politischem Fingerspitzengefühl, wenn sich der Bundesaußenminister um ein Gespräch mit dem guatemaltekischen Staatspräsidenten bemühe, nachdem gerade dem Botschafter Guatemalas in Bonn eine baldige Abreise nahegelegt wurde. Bundeskanzler Brandt hat sich inzwischen voll hinter den Außenminister gestellt und eine Dokumentation über das Verhalten der Bundesregierung im Falle Spreti angekündigt.