Seit Jahr und Tag war dies wieder der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs im Weißen Haus, der weder hüben noch drüben einen schalen Geschmack hinterlassen hat. Präsident Nixon stärkte dem Kanzler den Rücken; sein Vertrauen in den Verbündeten dehnte Nixon ausdrücklich auf die Bonner ostpolitischen Initiativen aus. Skepsis, die sich gleichwohl bei ihm und seinen Beratern zuweilen regen mag, sie gilt jedenfalls nicht Willy Brandt, nicht dem Sinn dieses schwierigen Entspannungsbemühens, sondern allein der Einschätzung eines tatsächlichen Erfolges.

Die konzertierte Aktion des Kanzlers und seiner Ministerbegleiter, Helmut Schmidt und Alex Möller, und deren – je nach Schauplatz – wohldosierte Darstellung der Bonner Interessen ist in Washington wegen ihrer Konzentration auf die großen Probleme des westlichen Bündnisses zugleich als eine Präsentation europäischer Vorstellungen bewertet worden. Mag das auch bloß eine flüchtige amerikanische Deutung sein, so ist sie doch sogleich in Paris mit kritischen und in Moskau mit polemischen Anmerkungen weitergesponnen worden. Tatsächlich war in Washington die öffentlich bekundete Übereinstimmung und der Beifall für den Kanzler und seine Equipe von größerer Dimension als sonst üblich. Bonn indessen sollte dabei nicht übersehen, daß dies alles nicht etwa auf lückenlosen Konsens zurückzuführen ist. Brandt wie Nixon haben darauf verzichtet, die Unwägbarkeiten des künftigen amerikanischen Engagements in Europa auszubreiten; wohl deshalb, weil präzise Antworten doch noch nicht gegeben werden können. Bei einer tieferen Schürfung jedoch wären beide schnell auf hartes Gestein gestoßen. B.