„Gebt uns Ersatz für dieses Sauggefühl!“

Von Joachim Fink

Einige Minuten lang in der letzten Woche schien der Bestand der Bundeswehr in Gefahr: Im großen Pathologie-Hörsaal der Mainzer Universitätskliniken erörterten etwa hundert Militärärzte ernsthaft, ob Paragraph 17 Soldatengesetz (Gesunderhaltung des Soldaten) eine Handhabe biete, den Bürgern in Uniform das Rauchen zu untersagen. Die Vision eines starken Geschlechtes, das sich geschlossen, wenn auch unter Zwang, zum Besseren wendet, schwand allerdings schnell. Jemand rief: „Grundgesetz“, und die Leute mit dem Paragraphen 17 resignierten. Ein Graukopf murrte noch: „Warum denn immer Werbung, wenn man mit Befehlen doch viel weiter kommt?“ Dann aber sammelte man sich wieder um das offiziell formulierte Thema des Podiumsgesprächs. „Was tun Sie, um Ihren Soldaten das Rauchen abzugewöhnen?“

Auf dem Podium saßen, mit raucherabschreckendem Material reich versehen: Flottillenarzt Professor Faßbender, der Kölner Kehlkopf-Spezialist Professor Matzker, der Mainzer Psychotherapeut Professor Langen, der Internist Dr. Hertie, der Psychologe Grenzmann, zwei Bundeswehrärzte, Dr. Ritter und Dr. Beckmann, sowie ein Stabsoffizier und ein Truppenarzt.

Professor Matzker: „Man muß das Image des Nichtrauchers durch gezielte Werbung aufwerten. Vielleicht helfen Plakate, auf denen rauchende Soldaten unvorteilhaft dargestellt sind.“

Der Psychologe: „Rauchen bei der Bundeswehr könnte eine Ersatzhandlung sein. Vielleicht sinkt der Lustpegel in der Bundeswehr ganz allgemein.“

Der Truppenarzt: „Man muß einen Hilferuf an die Industrie richten: Gebt uns einen echten Ersatz für dieses Sauggefühl!“