Zwei Lieblinge der Börse haben einen unerwarteten Sturz in die Tiefe erlebt: die Aktien der IOS Limited, der Holding des IOS-Finanzimperiums des vollbärtigen Bernie Cornfeld, und die Aktien der Tochtergesellschaft, IOS Management Company, die die Investmentfonds der IOS verwaltet.

Über die Hintergründe des Kurseinbruchs dieser beiden. Aktien wird an den Börsen viel gemunkelt. Was an den Gerüchten wahr ist, läßt sich zur Zeit nicht feststellen. Die IOS-Verwaltung erklärt rundweg, alle Gerüchte seien völlig aus der Luft gegriffen. Bis zum Beweis des Gegenteils bleibt der Börse nichts weiter übrig, als sich mit diesen Erklärungen der offenbar sehr gelassenen IOS-Oberen in der Genfer Zentrale abzufinden.

Unbestritten ist wohl die Tatsache, daß die Wachstumsaussichten der beiden IOS-Gesellschaften im letzten Jahr an den Börsen weit überschätzt worden waren. Damit hatten sich Kurse gebildet, die überhöht waren.

Auf dem Höhepunkt der IOS-Aktien-Hausse waren die Börsianer bereit, mehr als das Vierzigfache der vorausgeschätzten Jahresgewinne für diese Papiere anzulegen. So handelte man die Aktie der IOS Management Company einst mit 272 Mark und die der IOS Ltd., die erst im Herbst letzten Jahres an den Markt kam, mit rund 130 Mark.

Für die IOS-Management wird nur noch etwa ein Drittel des damaligen Preises gezahlt, nämlich rund 90 Mark, und der Wert der IOS-Ltd.-Aktie ist sogar auf weniger als ein Viertel, auf etwas über 30 Mark gesunken, das heißt, unter den Emissionskurs. Allein in den ersten Apriltagen verlor die IOS-Management knapp 30 Mark und die IOS Ltd. rund 13 Mark.

Die zahllosen Gerüchte über die IOS haben natürlich mit dazu beigetragen, die Kurse der beiden Papiere in den „Keller“ zu drücken. Aber die tiefere Ursache waren sie nicht.

Das Fondsverkaufsgeschäft läuft seit einiger Zeit nicht gerade gut. Die Vertreter haben es schwer, ihre Investmentanteile an die Sparer zu bringen. Denn sie können jetzt nicht mehr, wie noch vor einem Jahr, auf gute Ergebnisse in der jüngsten Vergangenheit hinweisen. Mit sinkendem Verkauf gehen für die Vertreter auch die Provisionen zurück. Zudem sind wohl auch Vertreter vor die Tür gesetzt worden, weil sie nicht mehr genug verkauften.