Schon fünf Volkswagen

29. März

Heute habe ich angefangen, Tokyo zu erobern. Die Vorbereitungen waren soweit abgeschlossen. Mit Professoren hatte ich gesprochen, die alles wissen; und mit den Korrespondenten europäischer Zeitungen, die alles besser wissen. Stadtpläne hatte ich studiert und die wichtigsten Wörter, die mir fehlten, meinem japanischen Wortschatz anzugliedern versucht; Dabei war mir klargeworden, daß das Tokyo Hilton im Regierungsviertel liegt. So was sagt einem ja keiner. Und woher soll ich wissen, daß jene Mischung aus Super-Luftschutzbunker und Völkerschlachtdenkmal das japanische Parlament ist?

Von hier aus also mußte ich in die Stadt vordringen.

Was heißt „die Stadt“?

Intensives Kartenlesen führte zu der Vermutung, daß etwa fünfhundert Meter vom Hotel entfernt die Untergrundbahnstation Gijidomae der Marunouchi-Linie liegen mußte – eine von zwanzig Stationen an einer von zwanzig (oder mehr) Untergrundbahnlinien in dieser scheinbar nirgendwo aufhörenden Stadt. Wenn ich, so hatte der kluge Stadtplan mich gelehrt, da einsteigen und in die passende Richtung fahren könnte, dann müßte ich schon nach zwei Stationen an der Ginza sein. Tokyo hat seine Ginza wie New York seine Fifth Avenue oder Düsseldorf seine „Kö“, die Straße, die jedermann kennt.

Ich kam richtig an. Um Himmels willen, was für ein Trubel, schlimmer als auf der Expo! Man sah vor lauter Menschen die unteren Stockwerke der Häuser, vor lauter Autos die Straße nicht. Welche Straße? Die Ginza natürlich. Aber welches war die Ginza? Da gibt es viele Straßen, und wenn auch einige deutlich enger sind als andere, so ist doch keine so breit, daß sie sich deutlich als die Hauptstraße auswiese.