Der Graf glänzte nur einen Monat. Dann wurde er heimgerufen.

Graf von Bacholsheim, ein Markenwein, der von der Unilever-Tochter Margarine-Union Anfang März im Testmarkt Hessen eingeführt wurde, verschwand dieser Tage in aller Stille aus den Regalen der Lebensmittelläden. Der Adlige steht im Verdacht, etwas außerhalb der Wettbewerbsregeln agiert zu haben.

Gegen den Grafen, den die Unilever-Manager als Symbolfigur für ihre sechs Weinsorten kreiert hatten, war ein Konkurrent der Hamburger zu Felde gezogen: die Münchener Firma Allgäuer Alpenmilch, die über ihre Tochter Weingut St. Ursula in Bingen das Wein-Programm „Goldener Oktober“ anbietet.

Auf Antrag der Oktober-Winzer verbot die 15. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg der Margarine-Union am 25. März, die sechs Etiketten mit dem Markennamen „Graf von Bacholsheim“ weiter zu verwenden.

Als Begründung zog die Kammer das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb heran, das unter anderem irreführende Angaben über die Herkunft und Beschaffenheit einer Ware ahndet.

Das Gericht folgte mit seiner Verfügung dem Antrag der Allgäuer Alpenmilch, wonach die Bezeichnung „Graf von Bacholsheim“ in Verbindung mit „gräflichem“ Wein unter den Verbrauchern den Gedanken an eine bestimmte Lage aufkommen lasse.

Im Unilever-Hochhaus schlug der Kammerspruch wie eine Bombe ein. Eilig berieten die Manager, was nach dem Verdikt über den umstrittenen Wein zu tun sei. Eines erkannten die Manager schnell: ein jahrelanger Instanzen-Streit würde ihre Weinpläne vorerst in den Keller verbannen. Experten erwarten deshalb, daß die Hamburger die Aufmachung ihrer Weinmarke verändern und sie erneut in den Kampf mit der Konkurrenz werfen werden.

Klarheit gewannen die Margarine-Herren auch über die Ursache der Wein-Panne: Der Chefjurist war zu der Zeit, als das gräfliche Etikett freigegeben wurde, im Urlaub. eg.