Ein Zwölfeinhalb-Millionen-Dollar-Film ist „Patton – Rebell in Uniform“, der als historisches Porträt eines verdienten amerikanischen Militärs konzipiert ist und zu einem knapp dreistündigen Comic-strip über das Phänomen Militarismus wurde Patton (George C. Scott), Invasionsgeneral im Zweiten Weltkrieg, wird eitel gezeigt, arrogant, rüde im Umgang, von unstillbarem Ehrgeiz besessen, in Orden, schöne Uniformen, große Gesten und prunkvolle Paraden verliebt, bis an die Grenze des Pathologischen fixiert auf die Glorie seiner berühmten Vorgänger Alkibiades, Hannibal, Cäsar, Napoleon und Friedrich II.

Den Krieg betrachtet Patton als seine Privatangelegenheit, sein persönliches Risiko, sein Verdienst und seinen Triumph. Ständig röhrt er markant im 08/15-Jargon, von „vollgeschissenen Hosen“ und „Arschlöchern“ bis zu „wahren Männern“ und seinen Feinden, die er „zerquetschen“ werde „wie Fliegen auf dem Scheißhaufen“. Mit der Penetranz eines Schmierenkomödianten beherrscht er die Rolle vom draufgängerischen Schlachtroß wie die Pose des genialen Feldherrn, rutscht er sekundenschnell vom bramarbasierenden Pathos in die Sentimentalität: Der lange Kuß für den Hauptmann, dessen Gruppe er wie Hunderttausende andere in den Tod gejagt hat, geht bruchlos über zur Liebeserklärung an das leichenübersäte Schlachtfeld, dem inbrünstigen Gebet am Lager eines Gefallenen folgt unmittelbar die Ohrfeige für einen „feigen Hund“, der einen Nervenzusammenbruch hat.

Die Unentschiedenheit des Films zwischen Heldengedenkfeier und Demaskierung eines Popanz läßt ihn vielen als gefährliche Glorifizierung erscheinen – doch man kann und darf ihn nicht ernst nehmen. Selbst die Kamera nähert sich dem Gewaltigen nur unterwürfig aus der Froschperspektive, was seine majestätischen Gesten ins Groteske verzerrt. Mag sein, daß ein Krieg solche Galionsfiguren braucht; im Film bleibt von Patton nichts als ein lächerlicher miles gloriosus, ein echter Pop-General. Wolf Donner