Von Stefan Lazar

Unter der Kuppel des „Sportpalasts“ in Genua stand die deutsche Mannschaftsleitung bei den Junioren-Fechtweltmeisterschaften 1969 vor einem Problem, das im Lager der Klingenspezialisten ein heiß umstrittenes Thema ist: Sollen Funktionäre in einem Finale Regie führen oder nicht?

Im Endkampf der Degenfechter standen damals zwei Deutsche, Harald Hein aus Tauberbischofsheim und Joachim Lippe aus Ulm. Hein focht in den Vorrundenkämpfen souverän. Als Mitglied eines Teams aus dem Ostblock wäre für ihn ein sicherer Sieg der Auftakt zum Finale gewesen. Denn auf Befehl des Delegationschefs hätte sein Landsmann ihn gewinnen lassen müssen. Ein solcher Eingriff aber erschien den anwesenden Verantwortlichen des Deutschen Fechterbundes als verwerfliche Manipulation, und so betraten die beiden Kontrahenten der Bundesrepublik mit den gleichen Chancen die Piste.

Der Verzicht auf diese Regieführung war einerseits zweifellos eine faire, sportliche Entscheidung, andererseits kostete er den Weltmeistertitel. Joachim Lippe besiegte Harald Hein mit 5:2-Treffern. Es war sein einziger Erfolg im Finale und gleichzeitig die Entscheidung. Die Niederlage verbaute Hein den Weg zum Titelgewinn. So wurde der Schweizer Daniel Giger 1969 Weltmeister im Degenfechten der Junioren.

Für Harald Hein war jedoch der knapp verpaßte Sieg nicht der einzige Ärger bei dieser Weltmeisterschaft. Während des Fluges von Frankfurt nach Genua ging seine komplette Ausrüstung verloren. Im Florett-Wettbewerb, an dem er ebenfalls teilnahm, mußte er mit Leihgaben auskommen. Als sein Fechtersack wieder auftauchte, war das Finale mit einem fünften Platz für Hein beendet.

Pech begleitete ihn auch bei den Seniorenweltmeisterschaften 1969 in Kuba. Eine tückische Fiebererkrankung machte ihm sehr zu schaffen, während sein großer Rivale Friedrich Wessel vom OFC Bonn als erster Deutscher der modernen Sportgeschichte den Weltmeistertitel der Florettfechter gewann.

Harald Heins Unglückssträhne wurde zum Auftakt der siebziger Jahre gestoppt. Der 20jährige nützte die letzte Chance, sich unter den Junioren hervorzutun. Bei den Weltmeisterschaften in Minsk ließ er die gesamte Ostblockelite in imponierender Manier hinter sich und sorgte dafür, daß nach Friedrich Wessel auch bei den Junioren ein Deutscher Weltmeister wurde. Im entscheidenden Gefecht überfuhr er den favorisierten Trosin (UdSSR) mit 5:1 Treffern.