Georg Friedrich Händel: „Acis and Galatea“; Sheppard, Buttrey, Jenkins, Beran, Deller-Consort, Stour Music Chamber Orchestra, Leitung: Alfred Deller; harmonia mundi 30 951 XK, 38,– DM.

Pastorale, Schäferspiel, Masque – diese vermutlich halb dramatisch, halb konzertant, mit Kostüm und Dekoration, aber ohne Aktion vorgeführten, mit Mythologie vollgestopften und mit Naturschilderungen popularisierten Zwischengattungen haben einmal die Oper erfinden geholfen; sie konnten dann ein wenig überleben und sogar noch einmal im 18. Jahrhundert Beliebtheit gewinnen, bevor sie endgültig außer Mode kamen.

„Acis and Galatea“ gibt darüber hinaus Aufschlüsse über die Praxis des damaligen Musikbetriebes: Händel, gerade Musikdirektor eines zum Herzog emporgekommenen Generalzahlmeisters der englischen Armee und Dirigent der neuen Royal Academy of Music geworden, komponierte die Oratorienoper 1720, führte sie, vermutlich privat, auf; zehn Jahre später brachte Thomas Arne sie dramatisiert heraus, genoß den Ruhm und Erfolg – und der Komponist mußte, um das Stück für sich zu retten, es mit anderen Texten und Musiken versetzen und als quasi neues Werk vorstellen.

Eine frühere, sehr gute Aufnahme von „Acis and Galatea“ war noch groß besetzt, jetzt legt Alfred Deller es mit einem ganz kleinen Ensemble vor: Chor und Orchester sind solistisch vertreten. Das führt vermutlich in die Nähe des Klanges jener privaten Uraufführung; es entspricht auch noch treffender der sehr intimen „Lieblich-freundlich“-Diktion der Naturschwärmerei und der Idyllik. Wer hingegen Händelsches Pathos sucht, kommt nicht auf seine Kosten (er sollte es in „Acis and Galatea“ nie suchen). Brillante Soli, schöne, nicht in jeder Phase umwerfende Stimmen, ein sehr geschwindes, aber präzises Orchester – Nymphen und Riesen für den angenehmen Hausgebrauch.

Heinz Josef Herbort