Von Joachim Schwelien

Washington, im April

Irgendwann einmal mußte der Mensch als Raumfahrer mit seinem Werkzeug, der komplizierten technischen Apparatur, scheitern.

In den 22 bemannten Weltraumflügen hatten die Amerikaner keinen Unfall zu verzeichnen und nur wenige kritische Situationen zu überstehen; zwei Landungen auf dem Mond verliefen so reibungslos, als könne in der Mechanik des Schwingens zwischen Schub und Schwerkraft der Gestirne kein Fehler auftreten. Die mit den Wagnissen verbundene Spannung – beim passiven Zuschauer womöglich noch größer als bei den Akteuren der Flüge – wich einer beinahe gelangweilten Gewöhnung. Das Außerordentliche schien alltäglich geworden.

Bis eben in der Nacht zum letzten Dienstag beim Mondflug von Apollo 13 eine der ungezählten denkbaren und doch für ausgeschlossen gehaltenen Kollisionen zwischen Perfektion und verborgener Unzulänglichkeit eintrat. Bis aus einem einstweilen nicht aufgeklärten Anlaß zwei der drei Batterien und die Sauerstoffzufuhr im Raumschiff „Odyssee“ ausfielen und sich dann in wenigen Minuten herausstellte, wie hauchdünn der Lebensfaden ist, von dem das Überleben der drei Raumfahrer James Lovell, Fred Haise und John Swigert abhängt.

In dieser Nacht schlug das Bewußtsein von Millionen Menschen in Amerika und der ganzen Welt um: Bewunderung für ein technisches Zusammenspiel ohnegleichen verwandelte sich in jene Urangst um Leben und Schicksal bewunderter Helden. Eine sichere Rückkehr zur Erde, eine erfolgreiche Notlandung im Pazifik – um sie kreisten alle Hoffnungen und nicht mehr um das Abenteuer einer Landung in der Einsamkeit des Fra Mauro am Ostrand des „Meeres der Stürme“. Dies alles war bedeutungslos und gleichgültig geworden.

Eine Million Menschen waren im vorigen Sommer nach Kap Kennedy gefahren, am den Start zum ersten Mondflug zu beobachten, nur hunderttausend Neugierige hatten sich diesmal dort eingefunden – aber jetzt, als es um Rückkehr oder Tod ging, nahm die Welt wieder Anteil an dem Drama.