Postbenutzer bedienen sich immer öfter des Wortes: „Der Brief ist sehr eilig, schicken Sie ihn nicht per Eilboten, sondern mit normaler Post!“ Dahinter verbirgt sich keine Lust am Scherzen, sondern bittere Wahrheit. Adressaten von Eilbriefen und Eilpäckchen müssen heute zwischen Großstädten vielfach drei und mehr Tage auf Sendungen „per Eilboten“ warten.

Die Entschuldigung der Post ist meist stereotyp die gleiche: Personalmangel. In einer Zeit, in der die Zahl offener Stellen um ein Vielfaches höher ist als die der noch verbliebenen Arbeitslosen, ist es verständlich, daß gerade die Post als Dienstleistungsbetrieb unter dieser Misere besonders zu leiden hat. Dies um so mehr, als der Postkunde auch am Wochenende bei einigen Diensten prompte Erledigung erwartet. Doch für den Monopolbetrieb Deutsche Bundespost kann das Personalproblem nicht als Entschuldigung dafür herhalten, daß Eilsendungen, für die der Absender eine erhöhte Gebühr bezahlt, vielfach länger unterwegs sind als gewöhnliche Sendungen.

Wer von der Post eine individuelle Anlieferung von Sendungen außerhalb der täglichen Zustellung erwartet, wird sich allerdings nicht gegen die Einsicht sperren dürfen, daß die zügige Abwicklung des Eilbotendienstes möglicherweise einen höheren Preis von ihm verlangt. Doch wäre es besser, die Eilbotenzustellung kostengerecht zu tarifieren, als sie der Funktionsunfähigkeit zu überantworten. eg