Von Rudolf Degkwitz

Über Haschisch weiß man fast noch nichts; man steht erst am Anfang der Erforschung seiner Wirkungen. Die ersten systematischen Selbstversuche wurden bereits vor über dreißig Jahren von Beringer in der Freiburger Psychiatrischen Klinik durchgeführt und eingehend beschrieben und veröffentlicht. Über die Wirkungen des chronischen Gebrauchs von Haschisch gibt es eine umfassende Literatur. In einem kürzlich veranstalteten Symposion in Rüschlikon bei Züdes wurde eingehend über das Für und Wider des Gebrauchs und der Liberalisierung über die Bestimmungen von Haschisch diskutiert und Ergebnisse neuerer Untersuchungen vorgelegt. Für das Folgende stützen wir uns vornehmlich auf das dort Gesagte:

Bei den Überlegungen geht es im wesentlichen um den Grad der Schädlichkeit der Wirkungssubstanz des Haschisch (Marihuana, Kif und zahlreiche andere.Namen je nach den Ländern) Tetrahydrocannabiol. Bei der Beurteilung der Schädlichkeit einer Substanz sind verschiedene Aspekte sorgfältig zu unterscheiden:

1. die unmittelbare Giftwirkung bei einmaligem Gebrauch in der Abhängigkeit von der Dosis,

2. toxische Schäden bei chronischem Gebrauch,

3. Schäden der Persönlichkeit bei chronischem Gebrauch.

ad 1) Substanzen, die sich als Rauschgifte eignen, sind verständlicherweise immer nur in sehr großen Dosen stark toxisch. Da sie als Rauschgifte ja nur von medizinischen und pharmakologischen Laien angewandt werden, müssen sie einen breiten Dosierungsspielraum haben, in dem keine unmittelbare gefährliche Vergiftungsgefahr besteht. Andernfalls wäre das Mittel als Rauschgift ungeeignet, da die Betreffenden ja nicht die schwere Vergiftung, sondern den subjektiv angenehmen Rausch wünschen. Dies ist am Beispiel des Alkohols leicht zu erkennen. Experimente mit der Wirksubstanz Tetracannabiol, die seit einigen Jahren synthetisch hergestellt werden kann, zeigten, daß etwas höhere Dosen im akuten Versuch nicht einen angenehmen Rausch, sondern schwere psychische Störungen erzeugen, die mit Sinnestäuschungen, Angstzuständen, Erregung, Verkennung der Umgebung und der Situation einhergehen. Entsprechendes ist vom Haschischgenuß her wohlbekannt.