Von Tommaso Landolfi

Gwar abgereist und hatte gesagt, daß sie es tun mußte: Und gewiß war es dieses verhaßte Zeitwort oder dieser verhaßte Begriff, was mich wieder entflammte. Ich liebte G. nicht: Dennoch, wie konnte mir eine von ihr festgesetzte Pflicht erträglich sein, die über mich hinwegtrampelte? Und es war im Grunde einzig auf diese Äußerung hin, ob nun meiner Eitelkeit oder meiner stets unzulänglichen Verzweiflung wegen, daß ich in ein Café stürzte, um ihr einen Brief zu schreiben (sie hatte mir eine Adresse jener Stadt noch in Italien hinterlassen, aus der sie in einen sehr fernen Kontinent fliegen sollte).

Mein Brief vereinte ein Höchstmaß an Aufrichtigkeit mit einem Höchstmaß an Unehrlichkeit: In ihm sprach ich vom entsetzlichen Gefühl der Leere, das auf ihre Abreise gefolgt sei, von meinem Kummer, von der Unmöglichkeit, mein Leben mit irgendeinem andern als dem ihrigen zu verbinden, und so weiter. Und das alles war völlig wahr ... so wie es aber auch zutraf, ich wußte es nunmehr sehr wohl, daß ich von ihr keine Rettung erwarten konnte. Worauf reduzierte sich dann dieser herzzerreißende Anruf, in den mein Brief mündete? Auf eine Kraftprobe?

G. jedenfalls, die mich liebte, nahm die Angelegenheit in der einfachsten und richtigsten Weise auf, das heißt – faktisch – in der falschen Weise. Ohne es auch nur zu bemerken, setzte sie ihre eigene Naivität meinen Verdrehungen und Manövern entgegen, deren Opfer übrigens ich selber war – nicht weniger als sie; als sie vernahm, daß der geliebte Mann ihrer bedurfte, kehrte sie eilends zurück. Aber natürlich mußte mich die widerspruchsvolle Beziehung, auf die ich hingewiesen habe, in Schwierigkeiten bringen.

Jenes Abendessen am Abend ihrer Rückkehr! Sie war strahlend aus dem Zug gestiegen, weil sie logischerweise meinen Brief als eine Art widerstrebender Erklärung verstanden hatte, ja, als die so lange erwartete Liebeserklärung; aber ein Blick hatte ihr genügt, um zu begreifen, daß es sich anders verhielt, und da waren wir jetzt einander gegenüber. Während sie sich behutsam aus dem Netz der passenden und gleichgültigen Gespräche zog, beobachtete ich sie, mir selber gegenüber perplex. Es schien mir mit ihrer Rückkehr jedes Interesse an der laufenden Geschichte erschöpft zu sein, und ich fand nicht, suchte nicht einmal plausible Worte. Mehr noch: nicht einmal im Bereich des Logischen hielt ich es für unerläßlich, etwas hinzuzufügen. Sie war, sagen wir, zurückgekehrt, aber das rief nicht im mindesten nach weiteren Debatten und irgendeiner besonderen Konsequenz.

*

Nachdem sie meine Stumpfheit bemerkt hatte, die so wenig mit den im Brief ausgedrückten Gefühlen in Einklang stand, begann die arme G. nervös und verwirrt zu werden, bis sie ungeschickt ausbrach: