Ein Altstadtviertel wird in ein Neustadtviertel verwandelt. Das Städtebauförderungsgesetz – dessen Verabschiedung Optimisten noch in diesem Jahr, selbst Pessimisten aber vor Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode des Deutschen Bundestages erwarten – wird eine solche Sanierung zweifellos erleichtern. Wie aber sollen die „Alteigentümer“ entschädigt werden? Der Metzgermeister, der in der Altstadt seinen Laden hatte? Die alten Leute, die von den Erträgen aus der Vermietung ihres Altbaus lebten? Das kinderreiche Ehepaar, das – schon wegen der Schulen – an Ort und Stelle wohnen bleiben will? Oder jener Grundeigentümer, der sich sein Grundstück nicht mit Geld, sondern mit Sachwerten bezahlen lassen machte?

Für sie alle sucht eine Neugrüdung Hilfe in Rat und Tat. In Saarbrücken entstand eine Arbeitsgemeinschaft namens „Moderne Stadt – Saar“. Gründer sind die saarländische Architektenkammer, die Saarländische Kreditbank AG, die Landesbank und Girozentrale Saar sowie die „Moderne Stadt – Gesellschaft zur Förderung des Städtebaues und der Gemeindeentwicklung mbH“ (siehe DIE ZEIT Nr. 36/69), an der unter anderen die Deutsche Bank, die Westdeutsche Landesbank und die Concordia Lebensversicherung beteiligt sind. Die „Moderne Stadt“, Köln, übernimmt die Geschäftsführung ihrer Tochter an der Saar-

Die „Moderne Stadt – Saar“ nennt sich „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Städtebaus und der Gemeindeentwicklung“. Sie wird ein detailliertes Modell entwickeln? nach dem die „Alteigner“ – per Teileigentum – entschädigt werden können. Sie wird aber auch versuchen, Vorschläge zu erarbeiten, die Fehlinvestitionen beim Städtebau künftig verhindern sollen. Sie hat die Absicht, städtebauliche Marktforschung in großem Stil auf privatwirtschaftlicher Basis zu betreiben. Zusammen mit ihrer Mutter, der „Moderne Stadt“, Köln, und anderen Bauträgern will die Saar-Gesellschaft auch selber Modellsanierungen in Angriff nehmen.

Eine Konkurrenz für die großen gemeinwirtschaftlichen und gemeinnützigen Unternehmen der Branche zu werden ist jedoch nicht das Ziel der Saarbrücken „Wir wollen nur die Palette vervollständigen“, sagt „Moderne Stadt“-Geschäftsführer Dr. Franz Kratz, Vorstandsmitglied der Concordia-Versicherungsgesellschaft. izh