Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Report über Gewinne beim Verkauf von Immobilien

Bebaute und unbebaute Grundstücke liegen nicht in den Schaufenstern der Läden wie Markenartikel des täglichen Bedarfs. Ihre Preise sind nicht ohne weiteres vergleichbar, denn nicht eine einzige Lage gleicht der anderen, und nicht einem einzigen Käufer bedeutet ein Objekt ebensoviel wie einem anderen. Subjektive Erwägungen, Imponderabilien, unterschiedliche Belastungen, Belastbarkeiten und Renditeerwartungen bestimmen die Preise eines Grundstücks.

Wer haargenau wissen will, wieviel der Verkäufer eines Hauses oder eines Bauplatzes am Eigentumswechsel verdiente, muß nicht nur den Verkaufs-, sondern auch den Einkaufspreis des Objekts kennen. Berücksichtigt er außerdem die Grundstückswechselkosten, die einschließlich Grunderwerbssteuer und Notargebühren bei rund zehn bis elf Prozent der Kaufsumme zu liegen pflegen und die ein Grundverkäufer – der sie ja einst bezahlen mußte – beim Weiterverkauf mindestens wieder hereinholen möchte, so bekommt der Wissensdurstige ein einigermaßen klares Bild von dem, was im Grundstückshandel tatsächlich verdient wird.

Schnelle Preisveränderungen lassen sich am sichersten an sogenannten Mehrfachverkäufen innerhalb möglichst kurzer Zeiträume ablesen. Der Preisvergleich an ein- und demselben Objekt ist der einzige sichere Maßstab für tatsächlich erzielte Gewinne oder auch Verluste.

DIE ZEIT machte eine Reihe solcher Mehrfachverkäufe auf Heller und Pfennig ausfindig. Zwei Großstädte und ihr Umland wurden ausgewählt, und zwar Hannover und Stuttgart. Beide Städte haben ihre Eigenarten, sind aber „grundstückstechnisch“ sicherlich einigermaßen repräsentativ für deutsche Großstädte ohne den Sog der Millionenmetropolen,

In Stuttgarts Altstadt gibt es ein unbebautes, 172 Quadratmeter großes Minigrundstück. Es wechselte Mitte 1966 für 300 000 Mark seinen Eigentümer und brachte beim Weiterverkauf, Ende letzten Jahres, genau 409 970 Mark. Der Zwischeneigner ist ein Privatmann. Sein Bruttogewinn der Quadratmeterpreis kletterte innerhalb von dreieinhalb Jahren von 1744 auf 2370 Mark – lag also bei gut 100 000 Mark, netto dürfte das etwa 75 000 bis 80 000 Mark entsprechen.