Zahlendes, aber nichtsdestoweniger lästiges Publikum

Man muß es lernen und üben, englische Schlösser und Landhäuser in der Einsamkeit ihrer Parks aufzusuchen und zu besichtigen. Kontinentale Reiseerfahrungen können darauf nicht vorbereiten, und die Residenzen in Deutschland, zumeist in Klein- oder Mittelstädten gelegen, sind anders. Am ehesten noch könnte eine Tour-zu den Herrensitzen der Weserrenaissance oder zu den Wasserburgen Westfalens helfen – wenn sich die hannoverschen und westfälischen Freiherren und Grafen ebenso erbötig zeigten, ihre Häuser einem zahlenden, aber nichtsdestoweniger lästigen Publikum zu öffnen, wie es die Lords und Herzöge tun.

Das richtige, große Vergnügen, englische Landsitze und ihre Kunstschätze zu entdecken, läßt sich am besten auf einer mehrwöchigen Ferienreise im eigenen Wagen erleben. Obwohl etwa die Oakleaf Enterprises Ltd. (15, Pall Mall, London S.W. 1) mehrtägige Rundreisen zu sehenswerten Schlössern und Manors im ganzen Land durchführen – eine Möglichkeit, von der vor allem Flugreisende aus Übersee dankbar Gebrauch machen –, ist das Auto die wichtigste Voraussetzung für eine sinnvolle Besichtigungsfahrt.

Sind diese Häuser doch im vollen Sinn des Wortes Landsitze, auf denen der niedere Adel (Gentry) das ganze Jahr, der höhere und hohe Adel (Peerage) den Sommer und Herbst verbrachte, in Kutschenmeilen gerechnet fern von der Hauptstadt, nicht eben nahe dem Marktflecken, abgesondert vom Dorf der Pächter und Landarbeiter. Die unverdorbene, grünhügelige, heckengesäumte Landschaft ringsum ist nur die Erweiterung und Fortsetzung des Parks oder Gartens, der lebensnotwendigen, die Architektur ergänzenden Fassung jedes Herrenhauses.

Welche Häuser zu besichtigen sich lohnt – gemessen an den eigenen Neigungen und an dem Riesenangebot von rund achthundert, dem Publikum zugänglichen Schlössern im Vereinigten Königreich – und wie sie zu erreichen sind, sagt kein Reiseführer mit der notwendigen Ausführlichkeit und Genauigkeit. Und nur ganz wenige, die größten der Stately Homes sind das ganze Jahr hindurch geöffnet. Aber auch während der Saison von April bis Oktober sind die meisten dem Publikum zugänglichen Häuser nur an beistimmten Wochentagen geöffnet.

Der jährlich neu herausgegebene Katalog „Historie Houses,. Castles and Gardens“, (2,20 Mark, zu beziehen über die British Travel Authority, 64/65, St. James’s Street, London S.W. 1) ist kein Reiseführer, aber schon für die Planung der Route und später, unterwegs von Schloß zu Schloß, beinahe unentbehrlich. Der Katalog enthält die notwendigen Angaben über Lage und günstige Verkehrsverbindungen, Besichtigungszeiten und Eintrittspreise, Besitzverhältnisse, Baustil und besondere Sehenswürdigkeiten jedes geöffneten Hauses.

Gartenliebhaber können darüber hinaus noch den Katalog „Gardens of England and Wales“ erwerben (in Buchhandlungen) oder für 1,80 Mark beim National Gardens Scheme (57, Lower Beigrave Street, London S.W. 1) bestellen.