Die Rolling Stones wußten es wieder einmal schon vorher: You can’t always get what you want! Aber die Idee war trotzdem ausgezeichnet. Nur wurde sie leider – wie die meisten originalen Einfälle – nicht entsprechend honoriert, im Gegenteil: Sie brachte dem, der sie mit abenteuerlichem Wagemut realisierte, ein Defizit von 30 000 Mark ein.

Konrad Mallison, der Veranstalter des ersten Essener Pop & Blues Festivals und damit Initiator des momentan in der Bundesrepublik grassierenden Pop-Festival-Booms, versprach sich eine Sensation, als er für eine Gage von 10 000 Dollar die Creedence Clearwater Revival engagierte, eine der besten und zugleich populärsten amerikanischen Rock-Gruppen. Die Sensation fand auch statt, aber – gemessen an ähnlichen Unternehmungen – praktisch unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

Ein Publikum, das in Massen zu Popmusik-Festivals pilgert und zufrieden ist, wenn es zweit- und drittklassigen amerikanischen Bands zuhören darf (namhafte Gruppen wie Procol Harum oder die Kinks sagen nämlich – angeblich immer in allerletzter Minute – mit penetranter Regelmäßigkeit ab, und die Teilnahme guter amerikanischer Bands wird meist sowieso nur auf allzu geduldigem Papier angekündigt), dies Publikum kam am letzten Sonntag nicht in die Essener Gruga-Halle, um endlich einmal das zu hören, was ihm andernorts ständig versagt bleibt: Rock’n’Roll in einer Form, die nur ganz wenige andere Gruppen so meisterlich beherrschen. Die 3000 Besucher, die schließlich erschienen, konnten die Gruga-Halle gerade zu einem Drittel füllen. Das finanzielle Desaster wird die Konzertagenturen vermutlich noch weiter entmutigen, die wirklich wegweisenden Rock-Gruppen nach Deutschland zu holen.

Dabei wäre schon Wilbert Harrisons legendäre Einmann-Band – selbst für die Eingeweihten der amerikanischen Pop-Szene noch ein Geheimtip – die Reise nach Essen wert gewesen. Aber auf keinem Plakat konnte man lesen, daß er hier auftreten würde. Auch die zweite Gruppe des Abends, die holländische Blues/Rock-Formation „Brainbox“, war nicht eigens angekündigt worden.

Offensichtlich verlassen sich die Veranstalter hierzulande nur auf die Popularität einzelner Namen, oder sie bieten Mammut-Shows an, die am Ende nur das Rahmenprogramm zu einem zwei- oder dreitägigen Be-in liefern.

Immerhin gibt es noch die Möglichkeit, Creedence Clearwater Revival jetzt in Berlin live zu sehen. Franz Schöler