Der Rentenmarkt war ein paar Tage lang Motor der Aktienbörse. Hoffnungen auf einen baldigen Rückgang des Kapitalzinses in der Bundesrepublik lösten eine zeitweilig recht stürmische Nachfrage nach festverzinslichen Werten aus, vor allem nach achtprozentigen Papieren. Doch dem Run folgte schon bald eine Beruhigung. Offensichtlich wurde am Rentenmarkt in den Haussetagen einiges übertrieben.

Wenn man auch damit rechnen kann, daß die Zinsen für langfristiges Kapital und damit auch die Renditen am Rentenmarkt ihren Höhepur.kt erreicht und wahrscheinlich überschritten haben: für einen baldigen kräftigen und nachhaltigen Druck auf das Zinsgefüge lassen sich bislang kaum überzeugende Anzeichen erkennen. Diese Ansicht hat sich nun auch in den Börsensälen durchgesetzt. Die Ausführungen, die die Bundesbank in ihrem jüngst veröffentlichten Jahresbericht zu den Zielen ihrer kreditpolitischen Dämpfungsmaßnahmen gibt, haben sicherlich ebenfalls etwas zur Ernüchterung an der Börse beigetragen.

Gleichzeitig mit dem Rentengeschäft hat sich auch der Aktienhandel beruhigt. Und wie meist, wenn das Geschäft einzuschlafen beginnt, bröckelten die Kurse ein wenig ab. Der Börse fehlen einfach Impulse und Anregungen. Selbst um die Börsenfavoriten dieses Jahres, die Stahlaktien, ist es während der letzten Tage etwas stiller geworden. Es mehrten sich die Gewinnmitnahmen, obwohl die Börseninformationsdienste nicht müde wurden, weitere Engagements in diesen Papieren zu empfehlen.

Einige Banken halten jedoch die Stahlaktie jetzt für „bezahlt“ und raten zum Verkauf. Sie verweisen darauf, daß die Stahlunternehmen gegen Konjunkturschwankungen besonders anfällig seien und daß im Zuge einer wirtschaftlichen Abschwächung die derzeit hohen Gewinne wahrscheinlich nicht mehr gehalten werden könnten.

Mit guten Aussichten warteten die Warenhausaktien auf. In einer Reihe von Empfehlungen wird darauf hingewiesen, daß die Kaufhäuser von den höheren Konsumausgaben der Bundesbürger profitieren müßten und daß außerdem die erhoffte Zinssenkung eine Entlastung für die Ertragsrechnungen bringen müßte.

Unter Druck liegen weiterhin die Bankaktien, offensichtlich ist die Börse über die Klagen enttäuscht, die auf den Pressekonferenzen von den Großbankvorständen über den Kostendruck zu hören waren. Man rechnet allgemein nicht damit, daß die Kreditinstitute im laufenden Geschäftsjahr so gut verdienen werden wie im vorangegangenen. p. w.