DIE ZEIT

Linksrutsch?

Ist der französische Ministerpräsident Chaban-Delmas am Ende? Diese Frage wurde aktuell durch einen Streit im französischen Regierungslager über eine neue Initiative: die Öffnung nach links.

Der Retter aus Bayern

In den „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ spricht Jacob Burckhardt von den großen Männern, die nicht die ihnen entsprechende Zeit finden, nicht die Situation, die ihre besondere Begabung fordert.

Amerika-Visite

Seit Jahr und Tag war dies wieder der erste Besuch eines deutschen Regierungschefs im Weißen Haus, der weder hüben noch drüben einen schalen Geschmack hinterlassen hat.

Ramponiert

Von Außenminister Scheel ist Gutes zu melden; allein das schon ist eine bemerkenswerte Neuigkeit. Er hat sich dafür entschieden, Paul Frank, Leiter der Politischen Abteilung I, und Sigismund von Braun, Botschafter in Paris, zu Staatssekretären im Auswärtigen Amt zu berufen.

Die „Odyssee“ im Weltraum

In den 22 bemannten Weltraumflügen hatten die Amerikaner keinen Unfall zu verzeichnen und nur wenige kritische Situationen zu überstehen; zwei Landungen auf dem Mond verliefen so reibungslos, als könne in der Mechanik des Schwingens zwischen Schub und Schwerkraft der Gestirne kein Fehler auftreten.

ZEITSPIEGEL

„Ich unterschreibe morgen wieder den Antrag auf Einführung der Todesstrafe, aber es müßten vorher einige verblendete Abgeordneten von Arabern oder Juden in die Luft fliegen und nicht mehr herunterkommen.

Francos unbequemer Unterhändler

Gleich nach Willy Brandt hat man in Washington einen Besucher empfangen, der dort schon im März seine Aufwartung gemacht hatte und am letzten Wochenende erneut zur Fahrt über den Atlantik aufgebrochen war: den spanischen Außenminister Gregorio Lopez Bravo.

"Wie haltet Ihr’s mit der Einheit?"

Nicht im Gewerkschaftshaus in Königswinter am Rhein fand in diesem Jahr die deutschenglische Konferenz statt, sondern in dem wahrscheinlich schönsten College von England, dem noblen Trinity College in Cambridge.

Fesseln für die Atom-Giganten?

Wien ist seit Donnerstag dieser Woche die wichtigste Konferenzstadt der Welt. Zum zweiten Male versuchen amerikanische und sowjetische Unterhändler, den strategischen Rüstungswettlauf der beiden Supermächte, wenn schon nicht zu stoppen, so doch wenigstens abzubremsen oder nach gemeinsam entworfenen Regeln in ruhigere Bahnen zu lenken.

Wagt Wilson die Wahl?

Der Termin der britischen Unterhauswahlen ist immer noch ein Rätsel. Seine Lösung liegt allein beim Premierminister, dem jeder Donnerstag bis Mai 1971 offensteht.

Athen gibt nach

Die Offiziersjunta in Athen beherrscht die Kunst der Überraschung und des Schweigens. Mitten in den Vorbereitungen zum dritten Jahrestag ihrer Machtübernahme am 21.

Biafraner leiden unvermindert

Aus den verschiedenen Einzelinformationen läßt sich jedoch in Umrissen ein Bild über die Lage in der Ostregion gewinnen. Gegenwärtig sind knapp 200 ausländische Ärzte und Helfer im ehemaligen Biafra tätig.

Die Schlappe des Präsidenten

Der Kampf um eine vakante Stelle in dem neun Mitglieder zählenden Kollegium des Obersten amerikanischen Bundesgerichtes, der seit Monaten zwischen Präsident Nixon und dem Senat ausgetragen wird, ist nicht nur eine Machtprobe zwischen dem Senat und dem Präsidenten.

Isolierte Seelsorger

Nicht nur die Bundeswehr fühlt sich innerhalb unserer Gesellschaft isoliert. Ähnlich ist es der Militärseelsorge ergangen. Bei der Gesamtkonferenz der evangelischen Militärpfarrer in Bad Gandersheim war in allen Diskussionen und Gesprächen zu spüren, wie unzufrieden diese Pfarrer mit ihrer Lage sind.

Carl Friedrich von Weizsäcker (VI): Die Quantenphysik der Weltpolitik

Als die Studenten im Auditorium maximum der Hamburger Universität am 14. Februar 1969 Weizsäckers letzte Vorlesung als Philosophieprofessor – „Kritik der Wissenschaften“ – hörten, hielten Polizei-Kohorten mit Gewalt verschiedene Seminare im Philosophenturm besetzt, deren „Befreiung“ aktionistische SDS-Gruppen zuvor gefeiert hatten.

Wolfgang Ebert:: Kreml-Diagnose

Es kann sich nur noch um Tage handeln – und Meldungen über eine zweite Ärzteverschwörung im Kreml werden die Welt aufhorchen lassen.

Das Blutbad in Prasaut

In Kambodscha stehen die Zeichen auf Sturm. Die neuen Machthaber um General Lon Nol haben ihre Position nach der Vertreibung Prinz Sihanouks noch nicht gefestigt.

Kühn kontra König Fußball

Mehr als ihre politischen Gegner fürchten die großen Parteien in Nordrhein-Westfalen derzeit eine andere Konkurrenz: "König Fußball", an Rhein und Ruhr mindestens ebenso populär wie jeder Politiker.

Der Bolschewik aus gutem Hause

Lenin war ein Mann der Tat. Wer ihn beschreiben will, muß ihn in der Aktion zeigen: Lenin, als Parteispalter in den verwanzten, verräucherten Zimmern des Brüsseler Exilparteitags der russischen Sozialdemokraten, wo er sich hundertzwanzigmal zu Wort meldet und seinen knappen Sieg dank seiner robusten Kondition geradezu "ersitzt" – Lenin, als Emigrant in Zürich, der die Hoffnung, das Gelobte Land der Weltrevolution zu sehen, schon aufgegeben hat und dennoch unermüdlich in der Bibliothek hockt, um für seine Leitartikel und Briefe neuen Stoff aus Büchern zu exzerpieren – Lenin, der sich im "plombierten" Waggon durch das feindliche Deutschland fahren läßt, um zugunsten der deutschen Kriegführung die Revolution voranzutreiben – Lenin, der auf einem Panzerwagen in das revolutionäre Petrograd fährt und statt eines Loyalitätsbekenntnisses für die neuen Machthaber sogleich die Weltrevolution proklamiert – Lenin, als Lokomotivheizer verkleidet, auf der Flucht nach Finnland – Lenin, der auf dem allrussischen Sowjetkongreß als Führer einer Minderheit unter brausendem Gelächter verkündet, die Bolschewiki wollten die Regierung übernehmen – Lenin schließlich, halbgelähmt auf dem Krankenlager, der täglich unter größter Anstrengung seine Anordnungen diktiert, voller Argwohn gegen die Umtriebe seines Generalsekretärs Stalin und voll banger Sorge um die Zukunft der Partei.

Dokumente der ZEIT

Houston: „Nicht sehr lang, Fred (Haise). Wir glauben, daß wir noch Strom für etwa 15 Minuten im Kommandoteil übrig haben. Wir möchten deshalb, daß ihr euch gleich daran macht, in die Landefähre hinüberzukommen und dort die Stromversorgung einschaltet.

Sorge um Apollo 13

Mit großer Sorge verfolgt die Weltöffentlichkeit die Rückkehr des amerikanischen Raumschiffes Apollo 13, das auf dem Weg zum Mond durch einen Defekt im Kommandoteil in Raumnot geraten ist.

Nahost: Sisco bei Nasser

Zum erstenmal sei; dem Juni-Krieg von 1967 haben die Vereinigten Staaten und Ägypten wieder offizielle Gespräche geführt: Der für den Nahen Osten zuständige Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, Joseph Sisco, traf am Wochenende zu einer über zwei Stunden dauernden Unterredung mit Staatspräsident Nasser zusammen.

Athen: Theodorakis frei

Das Athener Militärregime hat überraschend einen seiner prominentesten politischen Gefangenen freigelassen. Der an Tuberkulose erkrankte Komponist Mikis Theodorakis (45), der vor drei Jahren wegen antikonstitutioneller Umtriebe in Haft genommen worden war, traf mit einem Charterflugzeug in Paris ein.

Bayern: Attacken der CSU

Mit großer Schärfe haben die Bonner Regierungsparteien auf den CSU-Parteitag vom vergangenen Wochenende reagiert. Der Pressedienst der sozialdemokratischen Partei vertrat die Auffassung, die Bundesregierung sei nun gezwungen, „sich in der Deutschland- und Ostpolitik von der Union zu distanzieren“.

Abschied von Graf Spreti

In Anwesenheit von Bundespräsident Heinemann und der Bundesregierung hat der Deutsche Bundestag Abschied von dem in Guatemala ermordeten Botschafter Karl Graf von Spreti genommen.

Kreiskys Schwierigkeiten wachsen

Die seit den Nationalratswahlen vom 1. März geführten Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung in Österreich haben noch zu keinem Ergebnis geführt.

Übereinstimmung Brandt-Nixon

Washington unterstützt Ostpolitik Bonns – CDU „skeptisch’’ über Besuchsergebnis

Die Schriftsteller wachen auf

Als sich im Juni letzten Jahres im Kölner Gürzenich der neue Verband deutscher Schriftsteller (VS) gründete und die bis dahin bestehende Bundesvereinigung ablöste, „die dreizehn Autorenverbände so lose wie kraftlos zusammenhielt“, als Heinrich Böll den Schriftstellern ein Ende ihrer Bescheidenheit vorschlug und der neue Vorsitzende von der „von vornherein beabsichtigten gewerkschaftlichen Konzeption“ sprach – kurz, als die Schriftsteller plötzlich mit ungewohnter Energie einen berufsständischen und über das Berufsständische hinausgehenden Willen zu artikulieren begannen, war Skepsis weitverbreitet.

Aus den Hauptstädten der Welt: Budapester Mosaik

Der Wind fegt in Pest wie in Buda noch kalt an den Ufern entlang, und die Donau scheint noch eine Gänsehaut zu bekommen; doch mit dem sanften Sonnenschein in den Herzen erwacht die ungarische Metropole aus der langen Winterlethargie zu neuer, pulsierender Aktivität.

Lenin aus der Mottenkiste

Ich habe gedacht, Leninfilme sehen sich nur linke Leute an“, sagt das DKP-Mädchen betroffen. Es hat mit ihren Parteigenossen natürlich bei jedem der aus Anlaß des 100.

Tommaso Landolfi

TOMMASO LANDOLFI, 1908 geboren, ist der Autor von nunmehr einem Dutzend Bänden – Romanen, langen und kurzen Erzählungen‚ Betrachtungen, einem Versdrama.

Eine G.

Gwar abgereist und hatte gesagt, daß sie es tun mußte: Und gewiß war es dieses verhaßte Zeitwort oder dieser verhaßte Begriff, was mich wieder entflammte.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Pastorale, Schäferspiel, Masque – diese vermutlich halb dramatisch, halb konzertant, mit Kostüm und Dekoration, aber ohne Aktion vorgeführten, mit Mythologie vollgestopften und mit Naturschilderungen popularisierten Zwischengattungen haben einmal die Oper erfinden geholfen; sie konnten dann ein wenig überleben und sogar noch einmal im 18.

Zum Beispiel Düren (III): Blaues Wunder, grünes Hoffen

Rektor Egon Judenmann und die Lehrer der "Hauptschule Ostschule" in Düren leiden an einem Pech, das vor 25 Jahren ein Glück war: Ihre Schule wurde im Kriege nicht zerbombt, und so ist bis heute an ihr auch wenig erneuert worden.

Kunstkalender

„Unglaublich detaillierte Wiedergabe!“ notierte der Sammler Peter Ludwig, als er im Atelier von Kanovitz in New York „The Painting Wall“ mit der realen Atelierwand verglich, und kaufte das Bild für Aachen, ein zweites Bild für Köln, die ersten Kanovitz-Bilder in europäischen Museen, dargeboten als Standardwerke des neuesten amerikanischen Neurealismus.

ZEITMOSAIK

Die Werke des Geistes sind ewig feststehend, aber die Kritik ist etwas Wandelbares, sie geht hervor aus den Ansichten der Zeit, hat nur für diese ihre Bedeutung, und wenn sie nicht selbst kunstwerklicher Art ist, so geht sie mit ihrer Zeit zu Grabe.

Guter Rock, wenig gefragt

Die Rolling Stones wußten es wieder einmal schon vorher: You can’t always get what you want! Aber die Idee war trotzdem ausgezeichnet.

8000-Mark-Mißverständnis

Das offizielle Olympia-Plakat, das jetzt in einer Auflage von 190 000 Exemplaren in alle Welt geht, ist nicht gerade ein graphisches Signal.

FILMTIPS

„Große Vögel, kleine Vögel“ (1966), von Pier Paolo Pasolini. Nach einer Fernsehaufführung vor vier Jahren jetzt auch im Verleih.

Der Pop-General

Ein Zwölfeinhalb-Millionen-Dollar-Film ist „Patton – Rebell in Uniform“, der als historisches Porträt eines verdienten amerikanischen Militärs konzipiert ist und zu einem knapp dreistündigen Comic-strip über das Phänomen Militarismus wurde Patton (George C.

Ein Autor in der Sackgasse

Zunächst ist man etwas erstaunt, verblüfft, auch verärgert..................................................................

Streitschrift und Credo

Kunsthistoriker gibt es, soweit zu sehen, in zweierlei Ausführung. Die einen hängen an den Rockschößen der Künstler, katalogisieren und definieren, was diese erstellt haben; die anderen setzen sich fröhlich an die Spitze der Kolonne und erteilen Befehle, in welche Richtung sie zu marschieren habe.

KRITIK IN KÜRZE

„Don Niño oder Die Geographie der Träume“, Roman von Miguel Angel Asturias. Don Ninos Vorfahren haben sich durch listige Piraterie bereichert.

Fluchtburgen vor der Wirklichkeit

Am 16. Januar 1969 um 14.43 Uhr schaut ein Killer auf dem Wiener Zentralfriedhof durch das Zielfernrohr seines Gewehres. Er wartet auf sein Opfer.

Fernsehen: Selbst Durbridge war besser

Wenn der Chefredakteur einen Artikel diktiert, pflegt er die Kameramänner zu sich ins Zimmer zu bitten. Danach lehnt er sich im Sessel zurück und ringt mit einer Inbrunst um Worte, daß selbst die Kabel träger begreifen: Es gehört viel Kühnheit dazu, ein Komma zu setzen.

Penderecki-Uraufführung im Altenberger Dom: An ihm scheiden sich die Geister

Im Altenberger Dom, einer ehemaligen Zisterzienser-Abteikirche des 13. Jahrhunderts, Köln, Düsseldorf und Wuppertal sind etwa gleich weit entfernt: „Utrenja“, Oratorium für Soli, zwei Chöre und Orchester von Krzysztof Penderecki, Kompositionsauftrag des Westdeutschen Rundfunks, Uraufführung.

Paul McCartney trennt sich von der Gruppe: Die Beatles lassen es sein

Im Mai wird ihre letzte LP erscheinen. Ihr Titel ist derselbe wie der ihrer jüngsten Single, „Let it be“, ein Schlager mit einem „lebensweise“ resignierenden Text, der so etwas wie ein Licht in der Nacht verspricht und in Deutschland seit Wochen an der Spitze der internationalen Hit-Parade steht.

Farb-Regie

Auf heult der Motor. Jetzt geht’s los; denn der Film dreht sich zu Ende. Der schöne Schurke legt das Boot in die Kurve und die Frau aufs Kreuz.

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