Wenn zwei sich streiten, kommt nicht selten der Moment, wo der eine sich ans Herz faßt und schreit oderröchelt „Ha, das ist zuviel!“ Auch im Theater wird dieser Effekt oft angewendet, und zwar sowohl im Trauer- wie im Lustspiel. Handelt es sich um eine Tragödie, so muß die Ursache („Ha, was ist zuviel!“) im selben Ausdrucksverhältnis stehen. In der Komödie jedoch dürfen nach gewissen dramaturgischen Gesetzen kleine Ursachen große Wirkungen haben oder umgekehrt. So, und jetzt wollen wir einen Blick in die Prager Zeitung „Rude Pravo“ werfen ...

„Wir sind allerhand aus dem-Westen gewöhnt“, so schrieb das kommunistische Blatt, „aber das ist zuviel!“

Geschehen war nicht mehr und nicht weniger als eine Verwechslung. Und zwar hat Roger Garaudy, der französische Kommunist, der sich vor Monaten mit dem Parteibüro überwarf, in seinem Buch „Die ganze Wahrheit“ zwei Svobodas verwechselt. Er hat einen Redakteur Svoboda von der Militär-Wochenzeitung „Obrana Lidu“ zitiert in der irrigen Meinung, es handele sich um den General Svoboda, den Chef des tschechoslowakischen Staates.

„Das ist zuviel“, so also Rude Pravo. Ein Universitätsprofessor, ein Philosoph, dem die Quellen etwas wert sein sollten, erlaubt’sich seelenruhig, die Vornamen Ludvik und Ladislav zu verwechseln, einen Redakteur mit dem Präsidenten der Republik. Er erlaubt sich, durch diese Fälschung nicht allein den Führer eines Landes, sondern auch die Bürger dieses Landes zu beleidigen. Es ist schwierig zu glauben, daß es sich hier bloß um einen Irrtum handelt.“

In Berlin betrieb während der bewußten Tausend Jahre“ ein gewisser Hitler am Wittenbergplatz ein gutgehendes Kaffeehaus. Er ging umher und grüßte höflich die Gäste. Natürlich wäre es nicht angebracht gewesen, ciesen A. Hitler (Aloys) mit A. Hitler (Adolf) zu verwechseln; sie waren auch nur Halbbrüder, wie man hörte. Aber, daß eine Verwechslung, falls sie vorgekommen, wäre als eine Beleidigung nicht nur für den „Führer“oder den Gastronomen, sondern auch für die „Bürger des Landes“ hätte aufgefaßt werden müssen, ist selbst angesichts der damaligen Verhältnisse nicht anzunehmen. Was ist also in den „Rude Pravo“ gefahren? Der Humor oder die blinde Wut?

„Garaudy“, so das empörte Blatt, „der sich seit einiger Zeit einbildet, er begriffe die Lage in der Tschechoslowakei, in Sowjetrußland, in Österreich und sogar in den USA so gut, daß er den Kommunisten dieser Länder weise Lehren für gutes Benehmen erteilen zu müssen glaubt, darf und kann das große Publikum nicht durch eine Publikation täuschen, die ein bloßer Betrug ist.“

Kein Zweifel: Garaudy, bekannter Professor der Sorbonne und einst prominenter Ideologe der KP Frankreichs, ist entlarvt. Er ist soweit gegangen, einen Ludvik und einen Ladisla arglistig vertausehen. Ha, das ist zuviel!

So hat also die Prager Tragödie doch wohl dann und wann ein kleines lustspielhaftes Intermezzo, und dies vermutlich dem Schwejk zu Ehren. Wem sonst?