Von Ger van Roon

Die Literatur über Leben und Arbeit des Pfarrers Dietrich Bonhoeffer, der vor 25 Jahren im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet wurde, wächst noch immer. Jetzt liegt das Ergebnis der Forschungsarbeiten des dänischen Pfarrers Glenthøj vor, der Bonhoeffers Gesammelte Schriften und Eberhard Bethges Bonhoeffer-Biographie um wertvolle Stücke bereichert:

„Dokumente zur Bonhoeffer-Forschung 1928 bis 1945“; hrsg. von Jørgen Glenthej (in Die Mündige Welt, V); Chr. Kaiser Verlag, München 1969; 367 S., 36,– DM.

Ergiebig ist dieser Dokumentenband besonders für die Geschichte des politischen Widerstandes gegen Hitler. Im Zusammenhang mit der Reise Moltkes (Kreisauer Kreis) und Bonhoeffers nach Norwegen berichtet Glenthøj über eine – spätere– Unterredung zwischen Bischof Berggrav und Graf Moltke. Dabei soll Moltke erläutert haben, warum er sich in der Frage des Tyrannenmords neutral verhielt – nicht etwa, weil ihm als Christ ein Attentat auf Hitler grundsätzlich unzulässig erschien, sondern aus zwei Gründen. Erstens: Konnte das mit solcher Tat Begonnene zum Segen gereichen? War solche Methode nicht dem Seelenfeind selbst vorbehalten? Zweitens: Aus taktischen Gründen mußte der Kreis, der ein Attentat vorbereitete, sehr klein gehalten werden. Würde der Plan scheitern, so durfte dadurch nicht das ganze Netz kompromittiert werden. Gleichzeitig aber war der Aufbau einer neuen Verwaltung vorzubereiten; hier sah Moltke seine Aufgabe. Aber: „Wäre er zur Tötung Hitlers unbedingt erforderlich, würde er sich dieser Pflicht nicht entziehen.“

Eberhard Bethge hat mehrere Aufsätze, die während und nach seiner Arbeit an der Bonhoeffer-Biographie entstanden sind, zu einem Band vereinigt:

Eberhard Bethge: „Ohnmacht und Mündigkeit. Beiträge zur Zeitgeschichte und Theologie nach Dietrich Bonhoeffer“; Chr. Kaiser Verlag, München 1969; 191 S., 14,50 DM.

Der Titel enthält schon die Kernelemente der Theorie Bonhoeffers. Wir erfahren hier, daß Bonhoeffer den Begriff „religionsloses Christentum“, der besonders in den angelsächsischen Ländern viel verwendet wird, nur in dem ersten seiner theologischen Briefe aus dem Gefängnis Tegel benutzt, in allen folgenden jedoch die Formel „nichtreligiöse Interpretation“ gebraucht.