Von Hans Otto Eglau

Kolle und Kollegen haben die Deutschen körperbewußter gemacht. Frauen malen, lackieren, pudern, pinseln, sprayen und tönen wie nie zuvor. Und selbst der Mann greift zu Tuben und Tiegeln, Duftwassern und Deodorants.

Den Deutschen, die sich einst mit Bimsstein und Kernseife reinigten und noch vor 25 Jahren dem Führer-Diktat „Die deutsche Frau schminkt sich nicht“ gehorchten, suggeriert eine verführerische Werbung Erfolg durch Pflege: im Beruf und beim anderen Geschlecht. Rund 130 Hersteller von Kosmetika und Körperpflege-Artikeln buhlen mit 250 Werbe-Millionen pro Jahr um die Gunst der Massen. Nur für Zigaretten und Waschmittel wird noch massiver geworben.

Den Schönheits-Propagandisten, vor allem den Marktführern 4711 (Umsatz 1969: rund 400 Millionen Mark), Avon, Blendax, Beiersdorf, Schwarzkopf, Elida und Wella, winkt reicher Lohn. Denn die Pflege-Etats der Deutschen, im letzten Jahr zusammengenommen 3,6 Milliarden Mark, werden in den nächsten Jahren weiter sprunghaft wachsen: nach Prognosen der Experten jährlich fünf Prozent, stärker als alle übrigen Ausgaben. So verheißungsvoll ist das Geschäft mit der Eitelkeit, daß in den letzten Jahren mächtige Außenseiter in den schönen Markt vorstießen, so

  • der Waschmittelkonzern Henkel, der unter der Marke „Poly“ ein Haarkosmetik-Programm aufbaute, seine Deo-Seife „Fa“ Anfang dieses Jahres durch die Einführung eines Schaumbads und eines Körpersprays zu einer „Fa“-Deoserie ergänzte und zur Zeit sieben Produktnovitäten testet. Aus der Henkel-Testreihe: das Haarwasser „purr“, „Pretty Hair“-Haarspray und ein after shave „Gouverneur“. Als erste Testmarke schickten die Düsseldorfer Anfang März ihre „Creme 21“ in den Konkurrenzkampf. Hauptgegner der Henkel-Allzweck-Creme: Beiersdorfs Spitzenreiter „Nivea“;
  • die Farbwerke Hoechst, die 1968 die Düsseldorfer Kosmetikfirma Marbert aufkauften, sich kürzlich bei Schwarzkopf mit 25 Prozent beteiligten und sich mit der völligen Über-
  • nähme der Cassella Farbwerke Mainkur AG die Curta Kosmetik in Frankfurt angliederten. Ohne die Schwarzkopf-Beteiligung addierten die Chemie-Bosse im letzten Jahr einen Kosmetik-Umsatz von 80 Millionen Mark;
  • die Preussag AG, die – so Geschäftsführer Dr. Dieter Reichardt – die Absicht hat, „im Kosmetikmarkt eine größere Rolle, zu spielen“. Unter Reichardts Regie stehen schon jetzt die Firmen Lingner („Odol“, „Pitralon“), Dr. Best (Zahnbürsten) und Acis, die nach dem Vorbild der Firma Avon den Direktvertrieb frei Haus aufbauen soll. Lingner vertreibt überdies feine Seifen und Wässer der Pariser Duftküche Roger 81 Gallet.

Zu einem kleinen Schritt in den ergiebigen Markt entschloß sich auch Chantre-Brenner Ludwig Eckes, der bei der Kölner Firma Rhein-Cosmetic Wolfgang Farina mitregiert. Auch die Rasierklingen-Schmiede Wilkinson-Sword konnte sich dem verführerischen Duft des attraktiven Geschäfts nicht entziehen. Unter der Marke „Totale Frische“ kündigten sie jetzt eine Deoserie aus Seife, Spray und Schaumbad an.

Auf dem von Beiersdorf mit „8×4“-Puder und der Boehringer-Tochter Olivin („Bac“-Stift) erschlossenen Deo-Markt herrscht zur Zeit das größte Gedrängel. Genügte früher ein Spritzer Kölnisch Wasser, um sich wieder frisch zu fühlen, greifen immer mehr Deutsche zu Deo-Stiften und Deo-Sprays.