Von Dieter Buhl

Mehr als ihre politischen Gegner fürchten die großen Parteien in Nordrhein-Westfalen derzeit eine andere Konkurrenz: "König Fußball", an Rhein und Ruhr mindestens ebenso populär wie jeder Politiker. Er ist es, der den Wahlkampfmanagern Kopfzerbrechen bereitet. Sie müssen sich darauf einstellen, daß die Zeit der allabendlichen Übertragungen von der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko mit der heißen Phase des politischen Kampfes vor der Landtagswahl am 14. Juni zusammenfällt.

Doch diese Konfrontation zwischen Sport und Politik hat die Wahlkampfstrategen nicht resignieren lassen. Schließlich wissen sie, um was es bei der Entscheidung im bevölkerungsstärksten Lande (rund 12,7 Millionen Wahlbrechtigte) geht. "Die Landtagswahl", sagt der Arbeits- und Sozialminister von Nordrhein-Westfalen und SPD-Wahlkampfleiter, Werner Figgen, "kann so etwas wie eine Nachwahl zur Bundestagswahl werden."

Über die Ausgangsposition der Parteien für diesen Test gibt es unterschiedliche Ansichten. Art Hand der Teilkommunalwahlen von Mitte März, bei der die CDU erheblich zunahm und die SPD leicht verlor, wurde eine "Trendrechnung" aufgemacht, die der CDU-nahe Informationsdienst "Gesellschaftspolitische Kommentare" veröffentlichte. Die "Analyse" ergab einen Minimalvorsprung der SPD von 0,3 Prozent (SPD-Vorsprung bei der letzten Landtagswahl 6,7 Prozent). Das SPD-nahe Godesberger "Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas) konterte prompt. Nach seinen Ergebnissen liegt gegenwärtig" die SPD klar vorn. In den Parteizentralen verläßt man sich jedoch auf keine der beiden Untersuchungen. "Vorläufig", heißt es sowohl bei der SPD als auch bei der CDU, "ist es noch viel zu früh für Vorhersagen."

Keine Zweifel gibt es allerdings an der Popularitätsrangliste der drei Spitzenkandidaten. Sie lautet: Kühn (SPD), Weyer (FDP), Köppler (CDU) "Heinz Kühn", sagt Figgen, "ist populärer als jeder nordrhein-westfälische Ministerpräsident vor ihm." Aus diesem Grunde haben die Sozialdemokraten ihren Wahlkampf eindeutig als "Plebiszit für Heinz Kühn" angelegt. Aber auch Heinrich Köppler ist inzwischen in Nordrhein-Westfalen zu einem Begriff geworden, obwohl sich der ehemalige parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium erst seit dem Herbst des vergangenen Jahres in der Landespolitik engagiert. "Heinrich Köppler", so stellt der Sprecher des CDU-Präsidiums, Friedhelm Geraedts, nicht ohne Befriedigung fest, "ist ein neuer, völlig unbelasteter Mann. Er ist ein dynamischer, relativ junger Kandidat, der sich gut managen läßt." Angesichts der unbestrittenen Popularität Willy Weyers, schließlich, fragt man sich, was wohl am 14. Juni aus den Freien Demokraten werden würde, wenn sie nicht den jovialen Innenminister als Zugpferd hätten. Aber auch mit Weyer als Spitzenkandidat sieht die FDP mit einiger Beklemmung auf das Hindernis der Fünfprozenthürde.

Die Parteien jedoch wollen sich nicht allein, auf die Anziehungskraft ihrer Spitzenkandidaten verlassen. Für die Christlichen Demokraten gilt nicht nur "Köppler kommt"; die Düsseldorfer Agentur "Trost K.G." ("Persil") verkündet in markigem Werbedeutsch das weitere Wahlprogramm: "Köppler und seine Männer. Entschlossen zu handeln. Damit unser Land wieder Nr. 1 wird." Dieser Slogan wird auf den Plakaten noch durch einen hoffnungsvoll-grünen Pfeil unterstrichen: Er führt steil nach oben.

Aufwärts geht es auch auf den von der Hamburger Werbefirma BBD & R ("Echte Kroatzbeere") entworfenen Werbeplakaten der SPD. Dort zeigt in klassischer Cäsarengeste der Daumen einer geballten Faust in die Richtung, in die sich nach dem Wunsch der Sozialdemokraten ihr Stimmenanteil bewegen soll. Die offensichtlich an der Waschmittelwerbung orientierten Texte lassen sich an Plattheit nicht mehr überbieten. Ein Beispiel: "Die Kühn-Garantie: Non-Stop für die Reformen! SPD. Die sichere Hand für unser Land." Einfallsreicher ist die "poppig" angelegte Werbung der Freien Demokraten. Sie wollen damit vor allem die 1,3 Millionen Erstwähler beeindrucken, auf die sie große Hoffnungen setzen.