Köln Bis zum 30. April, Galerie Thelen: „Howard Kanovitz“

„Unglaublich detaillierte Wiedergabe!“ notierte der Sammler Peter Ludwig, als er im Atelier von Kanovitz in New York „The Painting Wall“ mit der realen Atelierwand verglich, und kaufte das Bild für Aachen, ein zweites Bild für Köln, die ersten Kanovitz-Bilder in europäischen Museen, dargeboten als Standardwerke des neuesten amerikanischen Neurealismus. In Amerika nennt man das Ding beim Namen: „Paintings from the Photo.“ Die Kamera als letzte Konsequenz des Realismus, das Photo als Authentizitätsnachweis. Erst wurde es als zerfetztes Presse-Photo in die Malerei hineinmontiert, dann wuchs es zu voller Bild- und Lebensgröße. Dabei ist die Kamera als Hilfsinstrument des Malers weder neu noch typisch amerikanisch. Schon der Hofmaler Professor Vogel Unter den Linden hat nach Photos gearbeitet, auch die Malerfürsten Lenbach und Stuck, nur daß sie das geschickt kaschierten, während die heutige Photographical Art umgekehrt verfährt. Kanovitz versteckt die Malerei hinter photographischer Dokumentation. Er arbeitet mit dem Doppeleffekt des trompe-l’oeil und seiner Entlarvung. Der Mister B. J. (ein Londoner Verleger) sitzt dem Besucher so lebenswahr gegenüber, daß dieser versucht ist, den Mann zu begrüßen, und im gleichen Moment seinen Irrtum bemerkt. Das Spiel von Täuschung und Enttäuschung wiederholt sich vor den Fenstern, den Türen, den Mülltonnen und den sieben Topstars des amerikanischen Basketballs. Und wenn man nach historischen Parallelen sucht, dann sind es gerade nicht die Lenbach und Vogel, sondern die Sachlichkeitsfanatiker der 20er Jahre, nur daß Kanovitz im Gegensatz zu diesen sich jeder Stellungnahme enthält, weder Kritik noch Sympathie anmeldet. Sein totales Disengagement markiert innerhalb des amerikanischen Neurealismus die radikalste Position. Ihm gegenüber wirkt Colville wie ein Romantiker, und neben seinen Mülltonnen sind Warhols Suppendosen ein Hymnus auf das Leben.

Gottfried Sello

Weiterhin im Programm

Baden-Baden Bis zum 3. Mai, Staatliche Kunsthalle: „Fernando Botero“

Ein Kolumbianer schlendert durch die europäiseheKunstgeschichte, arbeitet frei nach Dürer, Rubens, Vigee-Lebrun, Courbet, Gauguin und verwandelt alles, was er malt, in kugelrunde prächtige Boteros. Die Retrospektive mit 70 Bildern geht weiter nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Bielefeld.

Hannover Bis zum 26. April, Kestner-Gesellschaft: „Jim Dine“