Von Rolf Diekhof

Unzufrieden sind beide Parteien: Die großen internationalen Flugliniengesellschaften nicht weniger als die immer größer werdenden Charterfluggesellschaften. Grund zur Unzufriedenheit haben sie, denn auf der einträglichsten Strecke der internationalen Jets, dem Nordatlantik, wird zuviel Konkurrenz und zuwenig Geld gemacht.

Paradebeispiel für die Misere bei den Liniengesellschaften ist die drittgrößte Gesellschaft der westlichen Welt, PanAm, die in der Vergangenheit regelmäßig mit ansehnlichen Gewinnen aufwartete. Nach einem Gewinn von 49 Millionen Dollar im Jahre 1968 mußte PanAm-Präsident Halaby den Aktionären für 1969 einen Verlust von 25 Millionen Dollar erläutern.

Bei den großen amerikanischen Charterern sieht die Bilanz nicht weniger schlecht aus. Insgesamt flogen sie nach einem Gewinn von 17,5 Millionen Dollar (1968) einen Verlust von drei bis fünf Millionen (1969) ein.

So scheint zu stimmen, was der ehemalige Präsident der American Airlines, C. R. Smith, über die luftige Branche äußert: „Heutzutage kann in diesem verfluchten Geschäft niemand Geld verdienen.“

Der Fluch wird je nach Standpunkt interpretiert. Präsident Halaby sprach im Sinne seiner Kollegen, als er den PanAm-Verlust mit der Konkurrenz der Charterer und den, wie immer in solchen Fällen, stark gestiegenen Kosten erklärte. Die Charterunternehmen wiederum wollen ihre Verluste auf das Konto der Liniengesellschaften schreiben.

Doch häufig haben die Charterer relativ wenig von der Konkurrenz der Linien und viel von administrativen Maßnahmen (die allerdings meist von der Linienlobby inspiriert werden) zu fürchten – ein Federstrich eines Verkehrsministers ist oft ein dicker Strich durch die Rechnung eines Charterers.