Von Harald Steinert

Während die Mannschaft von „Apollo 13“ dabei ist, dem Mond weitere Geheimnisse zu entreißen, ist der Mondgesteinsrausch bereits abgeklungen. Denn es hat sich ergeben, daß unser kleiner Nachbarplanet bisher nicht viel mehr zu bieten hat als schwarzen Staub, ein paar spärliche exotische Minerale, deren eines (der Tranquillit) die Erinnerung an die Landung des Menschen im Mare Tranquillitatis bewahren wird, und im übrigen Minerale und Gesteine, die durchaus mit irdischen Namen bezeichnet werden können. Mondbasalt, Pyroxen, Hedenbergit, Fayalit, Pigeonit oder Plagioklas aus den Mondgesteinen, das sind alles absolut konventionelle Begriffe für irdische Mineralogen.

Die Fragen nach der Entstehung von Erde und Mond, Leben und Sonnensystem sind vertagt – die nächsten Apollo-Unternehmen werden sicher mehr Informationen liefern, vor allem, wenn erstmals Geologen auf dem Mond landen. Kein Zweifel, daß ihnen der Mond mehr zu bieten hat als die Erde, auf der die geologische Vorzeit unter dem Schutt verborgen liegt, den Wasser, Luft und Organismen kilometerhoch aufgehäuft haben. Die Mondmaterie ist – kosmochemisch gesehen – unterentwickelt im Vergleich zur Erde. Hier können wir also der Vergangenheit auch unseres Planeten begegnen.

Daß Mondgesteine und Mondminerale den irdischen so ähnlich sind, wußte man schon vor den Mondlandungen oder hätte es wissen können, nämlich von der Untersuchung der Meteorite. Man vermutete seit langem, daß das All aus denselben chemischen Elementen besteht, die wir auf der Erde haben. Die Bestätigung ist ein bedeutendes Resultat der Mondlandungen – so banal es klingt.

Kein Unterschied zur Erde

Der Mondboden ist das Analogon des irdischen Bodens, der den festen Gesteinsuntergrund verhüllt: eine Schuttdecke. Auf dem Mond ist diese Schuttdecke nur sehr dünn. Mondphotos und direkte Beobachtungen der Astronauten zeigen, daß der weiche (einem guten Gartenboden in der Konsistenz ähnliche) Untergrund, auf dem die Mondfähren landeten, nicht viel mächtiger als drei bis sechs Meter sein kann. Darunter lag an dem Landeplatz von „Apollo 11“ eine festere Gesteinsschicht, ohne daß man weiß, woraus diese wirklich besteht. Ein tieferer Krater in der Nähe läßt in etwa 30 Meter Tiefe eine mit Trümmern größerer Blöcke bedeckte Hartgesteinsschicht erkennen.

Über diesem im Detail unbekannten Untergrund lagert das, was wir vom Mond wirklich schon kennen: der „Mond-Regolith“, wie ihn der amerikanische Forscher Professor Eugen Shoemaker taufte. Es ist ein Trümmergestein, das Brocken von Gesteinen aller Formen und Größen durcheinandergemischt in einer Grundmasse von feinem Mondstaub enthält. Unter den Gesteinsbrocken finden sich (in den Proben der ersten Mondlandung) die bekannten Typen: