Von Außenminister Scheel ist Gutes zu melden; allein das schon ist eine bemerkenswerte Neuigkeit. Er hat sich dafür entschieden, Paul Frank, Leiter der Politischen Abteilung I, und Sigismund von Braun, Botschafter in Paris, zu Staatssekretären im Auswärtigen Amt zu berufen. Sie treten im Sommer die Nachfolge von Duckwitz und Harkort an. Vor allem die Berufung von Frank, der Beherrschung des Metiers, außenpolitisches Augenmaß und politische Phantasie auf glückliche Weise verbindet, erscheint als optimale Lösung.

Scheel brauchte gute Leute, denn sein Ansehen ist ramponiert genug. Er hat bei der Rettungsaktion für Spreti eine schlechte Figur gemacht, nicht weil er oder das Amt etwas unterlassen hätten, um den Botschafter in Guatemala zu retten, sondern weil er die innerdeutsche Reaktion falsch eingeschätzt hatte. Er war zu Beginn politisch nicht präsent und versuchte dieses Versäumnis später durch Überkompensation wiedergutzumachen: durch einen ebenso spektakulären wie nutzlosen Flug nach Guatemala. Auch bei der Promotion seines Parteifreundes Achenbach zum Vertreter der Bundesrepublik bei der Brüsseler EWG-Kommission hatte Scheel kein Fortune. Der Widerstand gegen Achenbach wegen seiner diplomatischen Tätigkeit in Paris während des Krieges war nicht zu überwinden. Scheels Kandidat blieb auf der Strecke.

Ohne Scheel wäre die Bonner Koalition nicht zustande gekommen. Im September 1969 hat Scheel große Politik gemacht; daran gibt es nichts zu deuteln. Was freilich die politische Wirkung, das Image der Regierung angeht, so ist sein Beitrag bisher im besten Fall unerheblich. R. Z.