Das Athener Militärregime hat überraschend einen seiner prominentesten politischen Gefangenen freigelassen. Der an Tuberkulose erkrankte Komponist Mikis Theodorakis (45), der vor drei Jahren wegen antikonstitutioneller Umtriebe in Haft genommen worden war, traf mit einem Charterflugzeug in Paris ein. Seine Haftentlassung war von dem Generalsekretär der Radikalsozialistischen Partei Frankreichs, Servan-Schreiber, erreicht worden. Wie Servan-Schreiber mitteilte, ist ihm von der griechischen Regierung auch die Freilassung der Professoren Karajorgas und Mangakis zugesagt worden.

Die beiden Mitglieder der Untergrundorganisation „Demokratische Verteidigung“ waren am vergangenen Wochenende von einem Athener Militärgericht gemeinsam mit 25 anderen Angeklagten zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Urteil gegen den angeblich hauptverantwortlichen Führer der Oppositionsgruppe, Karajorgas, für den die Anklage die Todesstrafe gefordert hatte, lautete auf lebenslänglich. Gegen Mangakis wurden 18 Jahre Zuchthaus verhängt.

Ende der vergangenen Woche hatte der griechische Ministerpräsident Papadopoulos angekündigt, daß künftig die Zuständigkeit von Sondermilitärgerichten eingeschränkt und Festnahmen ohne richterlichen Haftbefehl verboten werden sollen. Papadopoulos gab außerdem die Freilassung von 350 politischen Gefangenen bekannt. In den Konzentrationslagern Griechenlands werden danach noch etwa 1250 Menschen festgehalten.