Auch in dieser Woche wollen wir uns, meine verehrten Leser, wieder mit einem Immobilien-Fonds befassen, nämlich mit dem Par Fund (Preferred American Realty/Security Fund S.A.). Sein Rechtssitz ist Luxemburg. Verwaltet wird er von der Investment Management Corporation of America S.A. (IMCA), die in Panama beheimatet ist. Die Anteile von Par Fund dürfen weder in den USA noch an US-Bürger verkauft werden.

In der Bundesrepublik ist er seit einigen Monaten ungewöhnlich aktiv. Als Aushängeschilder hat der Fonds Prinz Michael von Preußen und den ehemaligen Bundespostminister Dollinger angeworben, was uns natürlich nicht hindern kann, diesen Fonds kritisch unter die Lupe zu nehmen. Schließlich wird uns Anlegern ja zugemutet, dem Fonds Geld zur Verfügung zu stellen. Wir, meine verehrten Leser, erhalten von ihm keine Tantiemen. Die Interessenlage ist also gegenüber den „Aushängeschildern“ eine völlig andere.

Zunächst hat sich der Par Fund, der seine Registrierung in der Bundesrepublik beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen beantragt hat, eine Einstweilige Verfügung eingehandelt. Seine Management-Gesellschaft darf künftig nicht mehr behaupten, daß demjenigen, der Anteile vor dem 30. April 1970 erwirbt, ein Mindestgewinn von 15 Prozent während der ersten 18 Monate auf den Nettowert der Anlage garantiert wird.

In dieser Garantieerklärung wird nämlich nicht gesagt, daß die Ankaufsgebühren von höchstens 8 1/2 Prozent auf alle Fälle verloren sind. Dazu kommt noch eine Rücknahmegebühr von zur Zeit ein Prozent des Reinvermögens. Es bleiben also bestenfalls 5 1/2 Prozent von der Garantie echt übrig, für 18 Monate sicherlich nicht viel.

Bemerkenswert scheint mir die Schlußfrist 30. April 1970 zu sein, bis zu der eine „Garantie“ überhaupt ausgesprochen wird. Vom 1. Mai ab sind vom Bundesaufsichtsamt die Entscheidungen darüber zu erwarten, ob die angemeldeten Fonds auch tatsächlich registriert wercen oder nicht. Wird der Par Fund abgelehnt, und das wäre doch immerhin möglich, dann wäre es sinnlos, deutschen Anlegern weitere Bonbons inzubieten. Aber bis dahin will man noch möglichst viel Geld für den Fonds lockermachen. Dafür sprechen auch die aggressiven Vertriebsmethoden.

Sie müssen aber wissen, meine verehrten Leser, daß niemand befugt ist, bei Verkäufen der Par-Fund-Zertifikate Auskünfte oder Darstellungen zu geben, die in dem Verkaufsprospekt vom 1. Januar 1970, der dem Bundesaufsichtsamt vorgelegt worden ist, nicht enthalten sind. Derartige Auskünfte oder Darstellungen sind weder für den Par Fund noch für IMCA, die Verwiltungsgesellschaft, verbindlich.

Und in diesem Prospekt ist von einer Gewinngarantie überhaupt nicht die Rede. Desto häufiger aber in einer anderen mir vorliegenden Werbeschrift und in Zeitungsinseraten. Keine Spur findet sich auch in dem „amtlichen“ Prospekt von einer geschätzten Wertentwicklung für die nächsten 20 Jahre, wie die IMCA-Verkaufsstrategen sie in prächtigen Schaubildern vorausberechnen. Danach kommt man bei einer Anlage von 100 000 Dollar nach zwei Jahrzehnten auf einen geschätzten Gewinnüberschuß von 858 272 Dollar.