Von Franz C. Widmer

Es sind längst nicht mehr nur die leitenden Angestellten der in Großbritannien tätigen ausländischen Firmen, die in und um London Haus und Wohnung suchen. Diese Gruppe der „Neu-Engländer“ ist schon dazu übergegangen, den British way of life im eigenen Weekend-Cottage, fern der Großstadt, auf dem Lande zu verbringen. Im „Schlepp“ des Tourismus suchen jetzt immer mehr Ausländer Feriensitze auf der Insel.

In einem Land, in dem die Hälfte aller Menschen in eigenen vier Wänden lebt, sind Miet- und Eigentumswohnungen preiswert. Die einzigen Wermutstropfen sind die Restriktionsmaßnahmen, der britischen Regierung: Sie verteuern die Kredite.

Die Hypothekenzinsen betragen mindestens 8,5 Prozent, und obwohl neue Immobilien bis zu 95 Prozent und von der öffentlichen Hand gar bis zu 100 Prozent beliehen werden, ist die Bautätigkeit allein im letzten Jahr um 10 Prozent zurückgegangen. Von den building societies – vergleichbar den deutschen Bausparkassen – kann ein Ausländer deshalb nur dann eine Hypothek erwarten, wenn er sich etwa für 5 Jahre halten gedenkt und hier auch ein festes Einkommen bezieht. Banken und Versicherungen stellen ihre knappen Mittel ebenfalls nur in Ausnahmefällen Ausländern zur Verfügung.

Die Finanzierung ist für fremde Interessenten aber wirklich das einzige Problem. Wer die nötigen Mittel beschaffen kann, steht vor einer immens großen Auswahl. Ein Blick auf die Immobilienanzeigen einer großen Londoner Sonntagszeitung eröffnet Aussichten vom alten Landhaus an der Küste von Cornwall bis zum luxuriösen Eigenheim am Hyde Park Corner, mit Preisen von 15 000 bis 500 000 Mark und darüber. Wer lange sucht, kann hier alles finden, was er haben will.

„Eigenhändig“ auf die Wohnungs- oder Hauspirsch zu gehen hat aber nur wenig Sinn. Beinahe der gesamte britische Grundstückshandel wickelt sich über die Makler ab. Ein dichtes Netz von State agents“ breitet sich über die Insel aus. Die bedeutenden Londoner Firmen vertreiben die „großen Brocken“: teure Eigentumswohnungen im West End, Villen in den Vororten und die alten Herrschaftssitze. Lokale Makler finden sich in praktisch jedem Dorf. So sollte sich also der Interessent zurerst darüber klarwerden, wo er seine Zelte aufschlagen will, und sich dann an den entsprechenden Makler wenden, der ihm meist eine große Auswahl präsentieren kann.