Zu einem Auftakt des Wahlkampfes wurden am Wochenende die Landesparteitage der CDU und FDP und die Landesdelegiertenkonferenz der SPD in Nordrhein-Westfalen. Bei allen drei Treffen betonten prominente Vertreter aus der Bundespolitik, daß der Wahl am 14. Juni entscheidende Bedeutung für die künftigen Machtverhältnisse in Bonn zukomme. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Rainer Barzel, übte vor seinen Parteifreunden in Leverkusen heftige Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und wies auf die Möglichkeit der Unionsparteien hin, nach den gleichzeitig stattfindenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland die SPD/FDP-Koalition in Bonn ablösen zu können. Bundeskanzler Brandt versicherte den Delegierten der SPD-Konferenz in Düsseldorf: „Wir sind insofern über den Berg, als wir feststellen können: Die Arbeitsplätze sind sicher, der Wohlstand wächst immer weiter, und die Preisentwicklung wird sich beruhigen.“ Vor dem gleichen Gremium bezeichnete NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn den CSU-Vorsitzenden Strauß als einen „bayerischen Arafat“. Auf dem Düsseldorfer FDP-Parteitag, auf dem Willy Weyer mit großer Mehrheit zum Landesvorsitzenden wiedergewählt wurde, forderte Bundesaußenminister Scheel die Freien Demokraten in Nordrhein-Westfalen auf, die „letzten Energien freizumachen“, weil von der Landtagswahl „viel für die weiteren Möglichkeiten“ der FDP abhänge.