Tendenzieller Abbau in Deutschland, langsame Akkumulation amerikanischer Engagements und relativ große, aber selektive Posten in Japan empfiehlt das Düsseldorfer Bankhaus C.G. Trinkaus seiner Kundschaft. Dabei sind sich die Anlageexperten bewußt, daß bei vielen amerikanischen Unternehmen die zu erwartenden Gewinne dieses Jahres geringer ausfallen werden als für 1969. So erwartet man bei Control Data in diesem Jahr nur noch einen Gewinn von 2,75 Dollar je Aktie, bis vor einigen Wochen lagen die Schätzungen noch bei vier Dollar. Auch bei General Electric und General Foods mußten die Gewinnschätzungen reduziert werden. Deshalb scheint ein allzu starkes Engagement in den USA noch verfrüht zu sein. Besonders gefährdet sind die noch hochbewerteten Wachstumsaktien. Hier sind Kurszusammenbrüche möglich. Inwieweit sie die. gesamte New Yorker Börse in Mitleidenschaft ziehen werden, ist schwer zu sagen.

Japan ist ein Anlageland voller Überraschungen. Die Kurse haben dort einen Stand erreicht, der in Einzelfällen nicht mehr unbedenklich ist. Die Zeit der generellen Unterbewertung japanischer Aktien ist vorüber. Erfolg wird künftig nur noch derjenige erzielen, der sich eingehend mit den Aussichten der Branchen und der einzelnen Unternehmen vertraut gemacht hat. Banken empfehlen, sich solchen Unternehmen zuzuwenden, die der heimischen Bauindustrie angehören, weil sie meinen, daß bei der Infrastruktur in Japan ein Nachholbedarf besteht, den es in den kommenden Jahren zu befriedigen gilt.

In Frankreich wird in den nächsten Monaten mit einer Lockerung des restriktiven Kurses gerechnet. Das könnte der Pariser Börse wieder einigen Auftrieb geben. Dabei ist allerdings zu beachten, daß französische Werte im internationalen Vergleich nicht gerade billig sind und daß politische Störungen die Erfolge der französischen Wirtschaftspolitik innerhalb kurzer Zeit zunichte machen können. Das ausländische Kapital hat noch nicht wieder volles Vertrauen in die wirtschaftliche und politische Stabilität Frankreichs gefunden. Wer an Frankreichs Zukunft glaubt, sollte Aktien solcher Unternehmen bevorzugen, die einen anerkannten internationalen Standard besitzen. Sie werden von den Strukturverbesserungsmaßnahmen am meisten profitieren.

In Holland sind zur Zeit eigentlich nur die Nebenwerte interessant. Sie profitieren von Firmenzusammenschlüssen, die – genau wie bei uns – die Börsenspekulation kräftig anregen. Die großen internationalen Konzerne leiden unter der Wallstreet-Abhängigkeit. Noch immer werden aus amerikanischen Portefeuilles Philips-, Unilever- und Royal-Dutch-Aktien abgestoßen. Da der europäische Markt für diese Papiere nicht aufnahmefähig genug ist, liegen die Kurse dieser Klasseaktien unter ständigem Druck, der sich in entsprechenden Kursschwankungen bemerkbar macht. DZ