Von Klaus von Bismarck

In der öffentlichen Diskussion über Bildungsfragen spielen immer häufiger die Massenkommunikationsmittel Rundfunk und Fernsehen eine wichtige Rolle. Welche Hilfe erwartet man von ihnen? Können sie Retter in der Not sein? Können Schulfunk, Schulfernsehen und Universitätsfernsehen die traditionellen Bildungseinrichtungen spürbar entlasten? Oder sind solche Erwartungen utopisch?

Eine andere Frage: Sind die Rundfunkanstalten, die der ARD und das ZDF, darauf gerüstet, neue Bildungsaufgaben, spezielle Bildungsaufgaben zu übernehmen? Seit langem machen sie sich Gedanken darüber, was von ihnen geleistet werden kann, wo ein Ausbau möglich ist, welche Kooperationsmöglichkeiten bestehen und welche grundsätzlichen Schwierigkeiten einer solchen Erweiterung der Bildungsaufgaben des Hör- und Sehfunks im Wege stehen.

Da ist zunächst eine juristische Frage zu stellen. Ist es zu vertreten, mit den Geldern der Normal-Gebührenzahler ein aufwendiges Bildungsprogramm zu erstellen, das nur von interessierten Minderheiten genutzt wird? Der Auftrag der Rundfunkanstalten wird seit ihrer Begründung im Dreiklang von „Information, Bildung und Unterhaltung“ verstanden. Diese Konzeption, in verschiedenen Formulierungen in Gesetzen und Statuten der einzelnen Anstalten festgelegt, bildete sich Ende der vierziger Jahre. Sie bezog sich in jener Zeit natürlich nur auf den Hörfunk – ein Fernsehen gab es in der Bundesrepublik noch nicht. Jene Formulierungen gingen vom gesellschaftlichen Bewußtsein der Nachkriegsjahre aus. So gewiß unser Auftrag durch Gesetz und Satzung bestimmt wird, so gewiß kann auf die Dauer die Arbeit und Funktion der Rundfunkanstalten nicht vom juristischen Status quo bestimmt werden. Der Auftrag ist vom gesellschaftlichen Prozeß und vom Prozeß des Bewußtseins dieser Gesellschaft, vom Wandel ihrer Bedürfnisse und vom Wandel unserer Einsicht in neue Bedürfnisse nicht zu trennen. Solange wir jedoch an jenen verständig zu interpretierenden juristischen Status quo gebunden sind, ist zu einer Zeit, da die Situation von uns vermehrte Anstrengungen auf dem Gebiet der Bildung verlangt, der dem Rundfunk gegebene Auftrag vornehmlich im Sinne der Fortbildung zu interpretieren; sie ist am ehesten mit dem Bildungsauftrag vereinbar, ja von ihm gefordert. Im Fernsehen hat diese Einsicht beim WDR zu den Sendungen geführt, die das sogenannte „Kontaktstudium“ zum Ziel haben.

Die Anstalten sind jedoch durch Gesetz und Satzung nicht oder jedenfall noch nicht autorisiert, Sendungen zur Ausbildung zu verbreiten. Es könnte als Überschreitung des Bildungsauftrags angesehen werden, wenn sie Funktionen bestehender öffentlicher Bildungseinrichtungen übernähmen, Examina abhalten und Berechtigungsscheine erteilen wollten.

Diese Funktion können die Anstalten auch dann nicht übernehmen, wenn sie zu der Einsicht kommen, daß die Gesellschaft dieser Hilfeleistung bedarf. Als Ausbildungshelfer können sie nur und erst dann tätig werden, wenn der Gesetzgeber sie dazu beauftragt hat, wenn er sie insbesondere dazu ermächtigt hat, die Gebühren dafür in Anspruch zu nehmen, die von den Hörern und Sehern bisher für andersartige Leistungen erbracht werden. Wahrscheinlich wird es unter diesen Umständen gegenüber dem Gesetz und der Gesellschaft leichter erreichbar, zumutbarer und sinnvoller sein, wenn die Anstalten nicht als Träger von Ausbildungsgängen auftreten, sondern sich statt dessen als Partner in einem nationalen Gemeinschaftswerk zur Verfügung halten.

Niemand hindert den Rundfunk jedoch daran, das Bildungsdilemma erfordert es vielmehr, sich um die Fortbildung der Gesellschaft zu bemühen. Das geschieht seit einiger Zeit mit steigender Intensität, und zwar sowohl im Hörfunk wie im Fernsehen.