Von Rüdiger Proske

Die Geschichte von „Apollo 13“ ist vor allem die Geschichte von drei Männern – von James A. Lowell jr., Fred W. Haise und John L. Swigert – von Männern, die auf die schwere Explosion in ihrer Bordrakete mit der lakonischen Mitteilung reagierten: „Hallo Houston, wir haben ein Problem“, und auf die ungläubige Antwort: „Sagt das noch einmal!“ ihre unterkühlte Meldung wiederholten.

Die Geschichte von „Apollo 13“ ist zugleich die Geschichte einer Mannschaft in der Kontrollzentrale in Houston, die sich als das technisch wohl fähigste Team erwies, das es heute auf der Welt gibt. Und es ist die Geschichte einer genial konstruierten technischen Apparatur.

Was am Dienstag, dem 14. April um 4.11 Uhr, mehr als 300 000 Kilometer von der Erde entfernt, tatsächlich passiert war, wird womöglich nie ganz aufgeklärt werden können. Einigermaßen sicher scheint nur zu sein, daß einer der großen Sauerstofftanks in der Bordrakete explodierte und dadurch die normale Versorgungsanlage für die Atematmosphäre der Astronauten in der Apollo-Kapsel und die Produktionsanlage für die Elektrizität ausfiel. (In Raumschiffen wird elektrische Energie und Wasser durch das Zusammenführen von Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt.)

Zum Glück war es schon immer die Philosophie der Raumfahrtingenieure gewesen, für die Erreichung eines bestimmten technischen Zieles zwei Wege vorzusehen. Das hieß: doppeltes Gerät, alternative Schaltungen, Auswechselbarkeit, Baukastenprinzip. Bis zu welcher Perfektion dieses verwirklicht wurde, erwies sich nun zum ersten Male unter Bedingungen der akuten Gefahr.

Der Sauerstoffvorrat und die elektrische Anlage der Mondlandefähre genügte, um die Astronauten für die Zeit des Rückfluges am Leben zu erhalten; mit dem Computersystem der Fähre konnte man weiter navigieren, mit dem Radiosystem zum Boden Verbindung halten. Die in der Apollo-Kapsel für die unmittelbare Landung vorgesehenen Reserven an Energie und Sauerstoff brauchten erst in den letzten Stunden vor dem Wiedereintauchen in die Erdatmosphäre in Anspruch genommen zu werden. Die Fluglage ließ sich nach dem Ausfall der Steuerdüsen an der Bordrakete mit der entsprechenden Anlage der Fähre stabil erhalten. Der dort in der Landestufe installierte Raketenmotor reichte aus, um die lebenswichtigen Kurskorrekturen auszuführen.

Das so glänzend funktionierende System der Austauschbarkeit von technischen Anlagen ersparte den Astronauten indessen nicht lebensgefährliche Strapazen. Vor allem war die elektrische Energie knapp. In dem Raumschiff gab es kein Licht mehr. Die Temperatur in der Apollo-Kapsel, in der sich abwechselnd immer ein Astronaut als Wachhabender aufhalten mußte, herrschte schließlich nur noch eine Temperatur um null Grad. Die Vorräte an Wasser, das nicht nur zum Trinken und zum Auflösen der Speisen, sondern auch zur Kühlung von elektronischen Geräten gebraucht wird, ging gefährlich schnell zur Neige. Die Astronauten konnten nicht mehr schlafen. Der Arzt in der Bodenkontrollstation stellte gefährliche Erschöpfungserscheinungen fest. Und wenn Testpiloten darüber auch nicht sprechen: Mit der „Odyssee“ und dem „Aquarius“ flog als unsichtbarer Passagier die Angst mit. Jeder weitere Ausfall mußte unweigerlich den Tod bedeuten, jeder Kurzschluß, jedes Leck, jede aufgehende Lötstelle.