Von Dieter Buhl

Die Schwierigkeiten beim Flug von "Apollo 13" haben die Fragen nach dem Sinn der Mondfahrt erneut aktuell werden lassen. Steht der Aufwand überhaupt in einem vertretbaren Verhältnis zum Erreichten oder Erreichbaren? Lohnt es sich, für die Erforschung des Erdtrabanten Menschenleben aufs Spiel zu setzen? Angesichts der amerikanischen Erfolge in der Raumfahrt galt es beinahe als blasphemisch, so zu fragen. Dementsprechend einseitig waren die Betrachtungen der Experten über die Mond-reisen der Amerikaner: begeistert und zumeist völlig unkritisch. Drei Mitglieder des Redaktionsstabes der Sunday Times haben sich von der allgemeinen Euphorie nicht infizieren lassen. Hugo Young, Bryan Silcock und Peter Dunn versuchen in ihrem Buch

"Der Mond – das Super-Ding", aus dem Englischen von Alfred P. Zeller; R. Piper & Co. Verlag, München 1970; 326 Seiten; 24,– DM

den menschlichen, allzumenschlichen Hintergrund des "größten Abenteuers der Menschheit" zu beschleunigen. Um das Motiv und die nicht immer einwandfreien Begleitumstände des "Wettlaufes um Macht und Geld" bloßzulegen, haben sie viele Angehörige der amerikanischen Raumfahrtbehörde (Nasa), Politiker und auch Vertreter der Firmen befragt, die von den Milliardenbeträgen des Raumfahrtprogramms profitieren.

Die Erkenntnisse der umfangreichen Recherchen – auch wenn sie nicht immer ganz neu sind – tragen dazu bei, daß erstmals in einem "Mondbuch" die himmelstürmenden Experimente in eine Relation zur irdischen Unvollkommenheit gesetzt werden. Leider strapazieren die Autoren bei ihrem Unterfangen eine der liebenswertesten englischen Tugenden, die Ironie, so stark, daß die Sachlichkeit gefährdet ist. Das gilt zumindest für die erste Hälfte des Buches, in der weit ausholend die Vorgeschichte der Mondfahrt geschildert wird.

Breiten Raum in der Untersuchung nehmen die Antworten auf die Frage ein, warum die Amerikaner zu Anfang des Wettrennens in den Weltraum so weit zurücklagen. Die amerikanische Verspätung verwundert Young, Silcock und Dunn um so mehr, als sie sich an die Erfolge der Vereinigten Staaten beim "Einkassieren" des fortgeschrittenen Peenemünder Expertenteams um Wernher von Braun erinnern. Wie kam es trotz der Rekrutierungscoups des amerikanischen Geheimdienstes im Nachkriegsdeutschland zu dem Vorsprung der Sowjets (die lapidare Feststellung eines amerikanischen Generals – "Sie hatten die besseren Deutschen" – gilt bei den Experten nicht als ernsthafte Entschuldigung), die sich in dem Start des ersten Sputniks offenbarte?

Ursachen dafür waren die häufig schon absurd anmutenden Rivalitäten zwischen den amerikanischen Heeresteilen und nicht zuletzt die Zurückhaltung Präsident Eisenhowers gegenüber der Raumfahrt. Der Ex-General befürchtete, daß das Militär das Raumfahrtprogramm an sich reißen und dadurch zu einem in seinen Folgen unübersehbaren Einfluß gelangen würde.