Den Schweizer Weltkonzern Alusuisse zieht es an die See. Auf dem Rüstersieler Goden in Wilhelmshaven will die Schweizerische Aluminium AG noch dieses Jahr mit dem Bau eines chemischen Werkes beginnen. Kernstück der 70-Millionen-Anlage ist eine Chlorkali-Elektrolyseanlage, die 1972 die Produktion aufnehmen soll.

Dieses Projekt soll jedoch erst den Anfang bilden. Mitte der siebziger Jahre will Alusuisse die größte Tonerdefabrik der Welt in Wilhelmshaven haben. Mit einer Anfangskapazität von einer Million Tonnen Tonerde pro Jahr ist sie bereits auf die achtziger Jahre zugeschnitten. Die ebenfalls Alusuisse gehörende Tonerdefabrik in Bergheim bei Köln – die größte der Bundesrepublik – begnügt sich zum Beispiel mit bescheidenen 350 000 Tonnen.

Alusuisse hat dieses Milliardenprojekt nicht für sich allein reserviert. Wenn sich genügend Interessenten melden, so kann die Kapazität bis auf zehn Millionen Jahrestonnen ausgebaut werden. Alusuisse denkt dabei natürlich nicht nur an die preisgünstige Belieferung der Konkurrenten, sondern auch an sich selbst. Denn noch gigantischer als das Projekt in Wilhelmshaven ist die zur Zeit auf Hochtouren laufende Erschließung der nordaustralischen Bauxitgruben – aus denen der Rohstoff für die Aluminiumproduktion kommt.

1,5 Milliarden Franken sind für das noch vor kurzem völlig unbekannte Gove in Australien vorgesehen. Der Konzern sichert sich damit seine Bauxitversorgung auf Jahrzehnte hinaus. Wilhelmshaven soll dem Bauxit nun auch die Abnehmer verschaffen.

Wilhelmshaven und Gove sind nur zwei Höhepunkte im gewaltigen Ausbauprogramm des Alusuisse-Konzerns. Vereinigte Staaten, Island, Norwegen, Belgien, Italien, überall sind Alusuisse-Anlagen im Bau. 1969 schnellten die konzernweiten Investitionen von 240 auf 455 Millionen Franken empor. 1970 bringt einen weiteren Anstieg. Kein Wunder, daß die Finanzierung bei einer derart rasanten Expansion dem Konzern Probleme verursacht.

Wie alle Schweizer Unternehmen pflegt auch Alusuisse die Selbstfinanzierung. Von den erarbeiteten Mitteln von 270 Millionen gingen nur 35 Millionen als Dividende an die Aktionäre. Dennoch mußten, die Fremdmittel vermehrt in Anspruch genommen werden. Um 243 Millionen stiegen die kurzfristigen Schulden, weitere 258 Millionen brachte die auf dem Euromarkt placierte Dollar-Wandelanleihe.

Zu kurz kommen die Aktionäre allerdings nicht. Die Geschäftsleitung bemüht sich um eine pflegliche Behandlung der Anleger. Für 1970 erscheint eine weitere Dividendenerhöhung (gegenwärtig werden 16 Prozent gezahlt) als nicht ausgeschlossen.