Jean Guillou: „Colloques Nr. 2 und 4“; Jean Guillou (Orgel), Christian Ivaldi (Klavier), Jean-Claude Casadesus, Marie-Elisabeth Both (Schlagzeug); Philips 837 927 LY, 25,– DM.

Jean Guillou ist seit 1963 Organist an Saint-Eustache in Paris, im vergangenen Jahr brachte Philips eine Aufnahme seiner Orgel-Improvisationen heraus, bombastische Klänge und zartes Gesäusel; die Phantasie in der Farbenvielfalt war zu bewundern und die Imaginationskraft in immer neuen Akkordbildungen.

Auch seine neue Folge von Improvisationen, „Colloques“ benannt, kommt über das Vokabularium der spätromantisch beeinflußten Klänge und Nuancen nicht sehr weit hinaus, was so schlimm ja nun auch wieder nicht ist. Aber die ungewöhnlichen Dialoge, die Guillou hier von der Orgel herunter mit dem Klavier (Nr. 2) und mit Schlagzeug und Klavier (Nr. 4) veranstaltet, haben genau das, was die aktuellen Kompositionstheoretiker und Musikideologen fordern: Freiheit für das Individuum, das spielend in der Improvisation komponiert, dazu die adäquate Reaktion des einen Musikers auf das Tun des anderen. Was zur Folge hat, daß auch der Zuhörer in diesen Dialog mit eingespannt wird: Nur wenn er die Reaktionen erfaßt, wenn er hört, was die „Diskutanten“ zu sagen haben und wie sie es sagen, hat er die Chance, einen Sinn in dem Hin und Her zu erkennen. Die verschiedenen Charaktere der Instrumente erleichtern in dieser Aufnahme die Erkenntnis Vorgänge; daß die erkannten Gesprächsinhalte so aufregend wieder nicht sind, funktioniert diese Platte zu einem didaktischen Hilfsmittel um, das Wie einer Komposition begreiflich zu machen. Heinz Josef Herbort