Zwei Wissenschaftler der Berkeley Universität, Kalifornien, veröffentlichten in „Nature“ (vom 31. Januar 1970) eine neurophysiologische Deutung des dreidimensionalen Sehens.

Bei Tieren, deren Augen seitlich im Kopf sitzen, ist jedes Auge über Nervenfasern nur mit einer Gehirnhälfte verbunden; das linke Auge immer mit der rechten Gehirnhälfte und umgekehrt. Im Laufe der Evolution rückten bei einigen Säugetieren die Augen vonseitlich des Schädels nach vorn. Parallel dazu läßt sich beobachten, daß sich von beiden Nervensträngen der Augen immer mehr Nerven abtrennen, die die Augen mit den Sehzentren der gleichseitigen Gehirnhälften verbinden.

Colin Blakemore und John D. Pettigrew gelang es nachzuweisen, daß ein deutlicher Unterschied in der Repräsentanz der Sinneszellen beider Augen in einer Gehirnhälfte besteht. Gehirnzellen, die mit beiden Augen verbunden sind, reagieren nur auf einen eng lokalisierten Bereich der Sinneszellen im gegenüberliegenden Auge, im gleichseitigen aber auf einige verstreut liegende Rezeptorenbezirke.

Für Blakemore und Pettigrew ergibt sich so ein Bild beider Sehzentren im Hinterhirn, in denen weiterhin die sich kreuzenden Sehbahnen dominieren. Denn die optischen Nervenfasern von Augen der gleichen Kopfhälfte besitzen weder ein so hohes Reizpotential noch eine so genaue Projektion auf die Netzhaut. Aber gerade dies ermöglicht es dem Gehirn, das Bild eines; Gegenstandes, das durch das eine Auge aufgebaut wird, durch das andere auf Tiefe abzuschätzen. –ws