Von Wieland Schmied

Nur Kurt Schwitters könne über Kurt Schwitten schreiben, sagte Kurt Schwitters und pflegte seine Freunde mit erhobenem Zeigefinger zu ermahnen, kompetente und für die Nachwelt bestimmte Äußerungen zu Person und Werk doch lieber ihm selber zu überlassen.

Alfred Hrdlicka scheint der gleichen Ansicht zu sein. Sein Buch –

Alfred Hrdlicka: „Alfred Hrdlicka“; Künstlerbücher, Heinz Moos Verlag, München; 178 Seiten, Abb., 58 DM

ist jedenfalls nicht nur das originellste Hrdlicka-Buch, das bisher erschienen ist (und es gibt ihrer schon etliche), sondern auch das amüsanteste Kunstbuch des letzten Jahres. Und es ist mehr als nur amüsant: Es ist spannend wie ein Krimi, seriös wie ein Lexikon, und es birst geradezu von Primärmaterial (Photos, die die Atmosphäre der Nachkriegsjahre fixieren, Zeitungsausschnitte, die Bildanregungen wurden, und dergleichen).

Hrdlicka (der Name hat zwei Vokale zuviel, zumindest das „i“ sollte man korrekterweise nicht aussprechen, sondern lieber verschlucken) hat die Fabulierlust von Horst Janssen, den Spaß am Schachspiel von Marcel Duchamp, die Bestimmung zum Zahntechniker vom Vater, die Leidenschaft für Hell- und Dunkeleffekte von Rembrandt – nur von Fritz Wotruba, bei dem er immerhin sechs Jahre lang, von 1952 bis 1957, an der Wiener Akademie Bildhauerei lernte, hat er nichts, und das ist betrüblich.

Überhaupt scheinen mir seine Radierungen konzentrierter, disziplinierter, gegenwärtiger zu sein als seine berserkerhaft bearbeiteten Steine – aber das ist Ansichtssache, und auf die Ansichten von Kunsthistorikern und Kritikern hat Alfred Hrdlicka nie viel gegeben. Sonst würde er nicht so viele von ihnen in seinem Buch abdrucken, mit durchaus hämischer Genugtuung: „Das Genitalische überschattet bei Hrdlicka das Genialische“ – das ist eine Pointe, die eine Zeitlang in allen Hrdlicka-Kritiken wiederkehrte; ein Kritiker hat sie vom anderen abgeschrieben.