Von Dietrich Bächler

Es gibt keine Gewerkschaft mit vergleichbarer Erfolgsbilanz. Vielleicht liegt es daran, daß sich die Bundesassistentenkonferenz (BAK) nie als Interessenvertretung deklariert hat. Konferenzen bildeten in der Kulturpolitik bislang Kultusminister und Rektoren. Wer würde es wagen, das Konzil der Magnifizenzen als Interessenvertretung zu kennzeichnen? Rektoren haben das Wohl der Wissenschaft im Auge. Es gab keine geschicktere Taktik für eine unterprivilegierte Hochschulgruppe, als einen neuen Konferenztisch der „Unparteiischen“ zu zimmern.

„Unter Verzicht auf alle Partikularinteressen die Belange der ganzen Hochschule ins Auge zu fassen“, verkündete der erste Vorsitzende der BÄK als Devise der Konferenz. Und in der Tat, das Kreuznacher Hochschulkonzept vom Oktober 1968, die erste Programmschrift der frisch etablierten Konferenzteilnehmer entrollte ein breit gefächertes Reformprogramm von den Aufgaben der Hochschule in der Gesellschaft, ihrer Stellung im Bildungswesen, über die Neuordnung der Hochschulorganisation und des Lehrkörpers, bis zur Hochschuldidaktik.

Der Reformeifer der Assistenten erwachte spät, doch durchaus zur rechten Zeit. Der VDS hatte die Reformpolitik bereits aufgegeben und war unter die Revoluzzer gegangen. Von sit-ins und teach-ins aufgeweckte Politiker fanden in ihm keinen salonfähigen Partner mehr. Den meisten Professoren ging selbst das vorsichtige Reformkonzept der Kultusministerkonferenz zu weit. Die Stunde der dritten Kraft war gekommen. Geschockt hatte der SDS genug. Die Chance der Assistenten lag in der Sachlichkeit.

Das Kreuznacher Hochschulkonzept hielt sich daran. Keine Anklage, kein Schimpfwort, keine umstürzlerische Gesellschaftskritik. Ein wenig aufklärerisches Pathos allenfalls, hölzern, wie es sich für deutsche Wissenschaftstradition geziemt: „Wissenschaft wird als solidarische Bemühung von Menschen... gegen die Irrationalität der natürlichen, und gesellschaftlichen Verhältnisse unternommen, damit die Erde als der einheitliche gemeinsame Lebensraum einer brüderlichen Menscheit in Frieden bewohnt und mit Vernunft genutzt wird.“

Stößt man auf Ideologie, ist sie aus Frankfurter Rezepten gebraut, in homöopathischer Verdünnung und ohne ökonomischen Bezug. Im ganzen gesehen herrscht ein vernunftgläubigei Pragmatismus vor.

Was zur Neuordnung der Hochschulorganisation gesagt wird, war damals bereits Allgemeingut der Reformdiskussion. Die radikale Reformoffensive der Assistenten hat zur Neuordnung des „Lehrkörpers“ geführt. Niemand wird sich darüber wundern, auch wenn er die einleitenden Worte über „die Belange der ganzen Hochschule“ im Gedächtnis hat. Schließlich leiden die Assistenten am stärksten unter den zunehmenden Gebrechen dieses „Körpers“.