Den Psychologen Kenneth Berkowitz und Brooks Carder bot sich ein verblüffendes Bild: Sie hatten eine kleine Schüssel voller „Futterpillen“ in einen Versuchskäfig zu einer hungrigen Ratte gestellt. Sie schnupperte interessiert an der Nahrung, schien ein wenig mit der Schüssel zu spielen, eilte dann aber zu einem Hebel, den sie herunterdrückte. Aus einem Schlitz wurde eine Futterpille, genau wie sie in großer Anzahl in der Schüssel lagen, herausgeworfen, die sie sofort auffraß.

Hatte die Ratte gelernt, den Hebel zweimal zu drücken, bevor eine Futterpille freigegeben wurde, wiederholte sich das gleiche Bild. Die Ratte untersuchte zwar neugierig die Schüssel mit Futter, fraß aber nur selten davon. Sie schob sogar die Schüssel von dem Futterschlitz weg, wenn sie davor stand. Erst wenn sie den Hebel zehnmal für eine Pille drücken mußte, gab sie ihre Arbeit auf, vorausgesetzt, daß andere Futterpillen im Käfig waren.

Offensichtlich zogen die Ratten es also vor, für ihren Lebensunterhalt etwas zu tun. Erst wenn die Mühe zu groß wurde, waren sie daran interessiert, sich sozusagen die Bissen in den Mund schieben zu lassen.

Daß es sich bei dem Verhalten nicht um Gewohnheitsbildung handelt, kontrollierten die beiden Psychologen (die darüber in Science, Februar 70, berichten) dadurch, daß sie die Ratten einen Tag vor dem eigentlichen Hebel-Pille-Training an den Käfig und die offenstehende Schüssel mit den Futterpillen gewöhnt hatten.

K. H. T.