Zu Beginn dieses Jahres konnten oder wollten die Versicherer noch nichts Genaues sagen: Eine Erhöhung der Versicherungsprämien in der Kfz-Haftpflicht zum nächstmöglichen Zeitpunkt (1. Januar 1971) sei zwar möglich, aber vorläufig müsse man die weitere Entwicklung noch abwarten und sorgfältig prüfen.

Jetzt, vier Monate später, wissen die Versicherer immer noch keinen Prozentsatz zu nennen, um den die Prämien erhöht werden müßten. Einig jedoch ist sich die Branche, daß vom nächsten Jahr an die Prämien nach neuen Tarifen berechnet werden.

Nach den Plänen der Versicherer sollen Personenkraftwagen. und Kombiwagen „in neue Gruppen der Beitragsbemessung“ eingestuft werden. Stehen bisher drei Gruppen zur Wahl, so sollen es ab nächstem Jahr mindestens zehn sein. Die Gliederung der Tarife nach der Ortsgröße, in dem das Fahrzeug gemeldet ist, wird im Prinzip beibehalten.

Die unterste Gruppe L (Orte bis 5000 Einwohner) wird geteilt in Gruppen für Orte bis zu 2000 Einwohner und in eine Gruppe für Orte bis zu 5000 Einwohner. Unverändert bleibt die Gruppe M für Orte bis 100 000 Einwohner. Für Großstädte (bisher G über 100 000 Einwohner) soll es zukünftig auch zwei Gruppen geben: bis 500 000 Einwohner und über 500 000 Einwohner.

Aber damit nicht genug: Pendlern, die in der Großstadt arbeiten, deren Auto aber nach der Ortsgröße in die Gruppe L eingestuft wurde, droht Prämien-Erhöhung: Für die Großstädte Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München sind die umliegenden Kreise als Einzugsgebiete vorgesehen, in denen die Prämie nach dem M-Tarif berechnet wird – ohne Rücksicht auf die Einwohnerzahl des Wohnsitzes.

Um das System zu vervollkommnen, wurde Deutschland noch einmal zweigeteilt: Der Plan der Versicherer sieht vor, Autofahrer aus Gebieten mit niedrigerem Schadensniveau mit niedrigeren Beiträgen zu belohnen. Der niedrigere Tarif wird vorläufig durch Gelb gekennzeichnet und umfaßt folgende Regierungs- und Verwaltungsbezirke:

Aurich, Oldenburg, Stade, Lüneburg, Osnabrück, Hannover, Braunschweig, Hildesheim, Münster, Detmold, Kassel, Unterfranken, Rheinhessen, Pfalz, das Saarland und die Hansestadt Hamburg. Im übrigen Deutschland gilt der höhere, der grüne Tarif.