Ein literarisches Vorbild zum Mordfall des Jahres 1969

Von Ernst Schnabel

Die erste Story: Ein junger Mann – wir nennen ihn fürs erste A – weilt unter uns auf Erden. Jill, eine junge Krankenschwester, die ihn kennenlernt, bietet ihm bei diesem ersten Zusammentreffen ein Glas Wasser an. A dankt und sagt, bevor er trinkt: Möge das Wasser für dich stets reichlich fließen ... Jill ist ganz verdutzt und ihm fortan verfallen, denn wer spricht schon so ...

Wenn A von Jill absieht, hat er nur wenig Grund, die Erde für einen angenehmen Ort zu halten, was wir begreifen können. Das junge Paar begibt sich auf Erkundung. Das Vorurteil bestätigt sich jedoch, und A gründet mit Jill und einer bald wachsenden Zahl von Gleichgesinnten, vor allem gleichgesinnten Damen, ein Nest, wie er es nennt, von dem aus er die Menschheit missionieren will. Die frohe Botschaft, die es zu verbreiten gilt, ist von großer Schlichtheit, wenngleich nicht ohne schlichte Größe: Gott nämlich-– das sind wir, die Summe aller Lebewesen, einschließlich der Sperlinge, die vom Himmel fallen, und wenn die Katze sie dann frißt, so ist auch sie Gott und führt Gottes Order aus. Ganz einfach, alles. Die’s begriffen haben, reden sich ab jetzt mit Du bist Gott an. Die Antwort kommt entsprechend. Das Ganze ist der Anfang einer wunderbaren Harmonie. Kein Streit mehr. Und wenn sich Superpantheos mal konzentrieren will, so findet er sich, Stück für Stück, im Nest zum Gruppensex zusammen. Das erfrischt.

Klar, daß sich so etwas herumspricht und Aspiranten findet. Natürlich gibt’s auch Gegner und leider bald so viele, daß die Missionsarbeit erschwert wird, doch man bleibt gütig bei der Sache. Die schlimmsten Übeltäter muß man allerdings beseitigen, entleiben, was aber nicht mit Mord verwechselt werden darf, denn A verfügt neben anderen sehenswerten Gaben über die Fähigkeit der Teleportation, was man sich etwa wie eine Art von Telekinese denken muß, nur mit Zielfernrohr, und Blut fließt nicht dabei. Die Objekte werden nur versetzt, und zwar nicht in den Tod, da Gott ja nicht gut sterben kann, auch nicht im einzelnen, sondern eher wie Eishockeyspieler, die wegen gefährlicher Spielweise auf die Strafbank müssen. Die Sache ist nicht weiter schlimm: Sie sind entleibt und ans Ende der Warteschlange zurückversetzt und standesamtlich zwar gestrichen, doch persönlich dürfen sie es mit dem Leben noch einmal versuchen, nicht gleich, ein bißchen später, bei Gelegenheit. Kurz: A und Jill, die jetzt schon viel gelernt hat, entleiben in der letzten Nacht, als es schon ziemlich hart auf hart geht – Oh, ungefähr vierhundertfünfzig, ich hab sie nicht gezählt. – Am Tag darauf ...

Mansons mobiles Nest

Die zweite Story: Ein junger Mann, hier provisorisch M genannt, weilt unter uns, und Susan hört ihn zur Gitarre singen. Der Schatten deines Lächelns heißt das Lied. Susan lächelt zurück und greift zum Instrument, als er es weglegt, kommt aber nicht zurecht damit. Sie kann’s nicht. Darauf die sanfte Stimme Ms: Natürlich kannst du’s, du mußt’s nur wirklich können wollen ... Wer redet denn schon so! Mit einem Wort: Susan schlüpft ins Nest, das M mit anderen jungen Leuten, vornehmlich jungen Damen, grad begründet hat.