Erfahrungen als Patient in der neuen Deutschen Klinik für Diagnostik

Von Gerhard Prause

Es war beabsichtigt, und natürlich war es auch propagiert worden – dennoch wirkte es auf mich überraschend: Als Patient der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden hatte ich nicht das Gefühl, in einem Krankenhausbetrieb zu sein. Der Grund liegt nicht allein in der Freundlichkeit, die dem Initiator des Unternehmens, Dr. Leo Krutoff, einst in der Mayo-Klinik in Rochester, USA, so besonders auffiel und die eben deswegen auch hier zum Stil gehört. Viele andere Faktoren kommen hinzu, zum Beispiel, daß es keinen Pförtner gibt. Man betritt das Haus, ohne von irgendwem nach irgend etwas gefragt zu werden und hat folglich das Gefühl, es jederzeit ungehindert verlassen zu können; man liefert sich nicht aus.

Es ist zehn Uhr morgens, als ich in die Halle komme, wo in bequemen Sesseln fünf oder sechs Leute sitzen, wahrscheinlich Patienten. Für zehn Uhr fünfzehn war ich bestellt worden: „Wir erwarten Sie am Empfang rechts im Erdgeschoß.“ Als ich mich dort melde, weiß man von mir längst mehr als nur den Namen. Vier Wochen zuvor, nach meiner Anmeldung für ein check up, eine Grunduntersuchung, die etwa 1400 Mark kosten soll, hatte man mir ein Krankenfragebuch ins Haus geschickt. Es enthält nahezu fünfhundert Fragen, nach der Familienvorgeschichte, nach früheren Erkrankungen, Operationen, Krankenhausbehandlungen und vor allem nach den jetzigen Beschwerden. Sie sind recht leicht zu beantworten, da sehr gezielt gefragt, das heißt Punkt für Punkt oder eigentlich Körperteil für Körperteil abgefragt wird. Hinter jeder Frage stehen drei Kästchen: ja, nein, weiß nicht. Will man auf „Haben Sie manchmal ein taubes Gefühl in den Beinen?“ mit nein antworten, dann muß das entsprechende Kästchen mit einem Bleistift angestrichen werden. Ich brauchte für die Beantwortung der Fragen etwa eine Stunde.

Das ausgefüllte Buch hatte ich zurückgeschickt; ein Computer hatte es ausgewertet. Zwei Ärzte hatten auf Grund dieser vorläufigen Anamnese entschieden, welcher von den 41 Ärzten der Klinik mein „persönlicher Arzt“ sein sollte. Sein Name war mir zusammen mit dem genauen Termin mitgeteilt worden.

Man zeigt mir die Garderobe, wo ich Mantel und Tasche abgebe, und bittet mich dann in die „Leitstelle 1“. Eine solche Leitstelle befindet sich in jedem Stockwerk, und zwar stets genau in der Mitte des ganzen Komplexes. Es ist ein u-förmiger Tresen, hinter dem in weißen Kitteln mehrere junge Damen sitzen, die die Patienten einweisen sollen.

Diese erste Leitstelle ist für den Ablauf im Labor zuständig. Ich erhalte ein kleines Gefäß, auf dem mein Name und meine Patientennummer stehen, dazu eine detaillierte Anweisung, wie es am zweckmäßigsten zu füllen sei. Vom Örtchen kommt das Gefäß auf kürzestem Weg, nämlich nach Klingelzeichen meinerseits durch eine Klappe direkt in das Labor.