DIE ZEIT

Wein-Handel

Mit großer Mühe haben die EWG-Länder ein Problem aus der Welt geschafft, das wenige Wochen nach dem Haager Gipfeltreffen zu einer neuen Krise der Gemeinschaft hätte führen können.

Probe für die FDP

Die Union hat zum Angriff auf die Bundesregierung angesetzt. Rainer Barzel verkündete auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischenCDU, die Landtagswahlen im Juni seien eine Gelegenheit, die Koalitionsregierung in Bonn zu stürzen.

Meisterstreich

Mit der neuen Verminderung der amerikanischen Truppen in Vietnam um 150 000 Soldaten in den kommenden zwölf Monaten hat Präsident Nixon in einem politischen Meisterstreich vier Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Wende in Warschau?

Die deutsch-polnischen Verhandlungen, die Staatssekretär Duckwitz zur Zeit in Warschau führt, sind durch den Münchner CSU-Parteitag, der die innenpolitische Stimmung im ganzen Land angeheizt hat, nicht gerade erleichtert worden.

Abschreckung

Nasser fühlt sich wieder stark. Nach einer mehrwöchigen Pause flog seine Luftwaffe erneut Angriffe gegen israelische Stellungen am Suez-Kanal.

ZEITSPIEGEL

Männer haben in der Küche nichts zu suchen. So jedenfalls wollen es die Hersteller der „Haushandschuhe London Special“. Die Gebrauchsanweisung klärt darüber auf: „Dieser seidenweich gefütterte Haushandschuh ist besonders zum Abwaschen geeignet, darum nur in Damengrößen erhältlich.

Sind Journalisten nur „Staatstrompeter“?

Es lag wohl am Schwabinger Klima. Die Stimmung war freundlich und beinahe herzlich. Trugen in letzter Zeit Journalisten und Politiker so manche Fehde aus, nur weil sie sich mißverstanden glaubten – in der Katholischen Akademie Bayerns schien das Einverständnis mindestens anfangs fast vollkommen.

Wenn Wehner explodiert...

Herbert Wehner wird im Sommer 64 Jahre alt. Nichts davon ist ihm anzumerken: Der Vulkan sprüht noch immer Feuer und Lava. Auch unter vier Augen gibt es kein sanftes Säuseln, eher verhaltenes Stakkato.

Innere Reformen: Genschers Wunschzettel

Minister Genscher hat mit einer Tradition seines Ressorts gebrochen. Innenminister waren bisher in der Regel Bewahrer einer konservativ verstandenen Staatsräson, Beschützer des Status quo; sie waren in erster Linie damit beschäftigt, Ordnung und Sicherheit zu erhalten.

Mutmaßungen über Barzel

Seit Barzel und Strauß auf dem Münchner CSU-Parteitag einander mit so ausgesuchtem Wohlwollen begegnet sind, treibt die Spekulation üppige Blüten.

Das Ende einer Expedition

Nach der Rettung von „Apollo 15“: Die Aussichten für die amerikanische Weltraumfahrt sind trübe

Raketen-Dialog: Auftakt in Wien

Völlig zivil, als seien sie kunstliebende Touristen, nahmen sich jene mehr als hundert Amerikaner und Sowjetrussen aus, die letzte Woche fast zaghaft den barocken Marmorsaal des Wiener Schlosses Belvedere betraten.

Der Irrtum der Leninisten

Die Grundlage der späteren stalinistischen Entwicklung wurde zu Lenins Zeiten gelegt. Das ist keine Frage. Aber ganz sicher hatte Lenin nicht die Absicht, ein System zur Macht zu bringen, wie es sich später im Stalinismus gezeigt hat.

Ernst Bloch (VII): Das Prinzip Hoffnung

Enttäuschte Hoffnungen sind für Ernst Blochs „Optimismus mit Trauerflor“ eine Bedingung für immer neue Hoffnung. Der in die USA Emigrierte hatte es nach Ende des Zweiten Weltkriegs abgelehnt, einem Ruf ins Frankfurt Adornos zu folgen, da er „nicht daran denke, dem Kapitalismus zu dienen“.

Sackbahnhof West-Berlin?

Dummes Zeug“ sei es, so meint Bürgermeister Schütz, wenn man glaube, West-Berlin gehe nach einer völkerrechtlichen Anerkennung der DDR verloren.

Präsident Böll

Die Schriftsteller tun sich zusammen. Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, daß der einzelne heute, vom Schreibtisch her Pfeile schleudernd oder meinetwegen auch Bonbons werfend, wenig vermag.

Gottes schwarze Liste

Die erste Story: Ein junger Mann – wir nennen ihn fürs erste A – weilt unter uns auf Erden. Jill, eine junge Krankenschwester, die ihn kennenlernt, bietet ihm bei diesem ersten Zusammentreffen ein Glas Wasser an.

Fernsehen: Lindbergh und Swigert

Sehr sanft glitten die Schirme aufs Meer zu, sanft und rosarot, die Hubschrauber, Navy 66 wie immer voran, wirkten wie altertümliche Seevögel, blaues Wasser zerteilte sich vor den Froschmännerarmen in schäumende Gischt, man schwebte und dümpelte, huschte und glitt, tänzerisch und elegant war das Bewegungsspiel, ja fast schien es, als sei dies alles gar nicht Wirklichkeit, sondern als würde auf einer Märchenbühne die Ankunft des Prinzen geprobt.

Ein neuer Nürnberger Trichter

Es gibt keine Gewerkschaft mit vergleichbarer Erfolgsbilanz. Vielleicht liegt es daran, daß sich die Bundesassistentenkonferenz (BAK) nie als Interessenvertretung deklariert hat.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Jean Guillou ist seit 1963 Organist an Saint-Eustache in Paris, im vergangenen Jahr brachte Philips eine Aufnahme seiner Orgel-Improvisationen heraus, bombastische Klänge und zartes Gesäusel; die Phantasie in der Farbenvielfalt war zu bewundern und die Imaginationskraft in immer neuen Akkordbildungen.

W. E. Süskind

Am Starnberger See, wo er seit langem gelebt hatte, starb in der vergangenen Woche achtundsechzigjährig W. E. Süskind. Der Schriftsteller, der im Impressum der „Süddeutschen Zeitung“ als einer ihrer „leitenden politischen Redakteure“ stand, war seiner Herkunft nach eher ein Mann der Literatur als der Politik.

Kunstkalender

Die kurzfristig arrangierte Hängung der Gemälde, die normalerweise großenteils im Depot der Staatsgemäldesammlungen lagern, ist ein lobenswerter Beitrag zur Informationsfreiheit: Der im Zusammenhang des europäischen „Expressionisten“-Querschnitts (im gleichen Hause nebenan) etwas durcheinandergeratene Begriff des deutschen Expressionismus wird wieder zurechtgerückt, die „Brücke“-Maler werden wieder in ihre malerischen Rechte eingesetzt.

BLUKO

Die Seller-Teller stimmen nicht. Sie klammern nicht nur populäre Nachschlagewerke aus, sie klammern nicht nur die Bibel aus – ausgeklammert wird auch das Immer-noch-Gelesenste wie Ganghofer und Karl May.

ZEITMOSAIK

Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, daß sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Der letzte Rebell“ (1953), von Budd Boetticher, ARD am 25. April. „Morocco“ (1930), von Josef von Sternberg, Südwest III am 25.

Sind Verrisse Flegeleien?

Wann darf oder soll der Kritiker einen Autor verreißen? Fortwährend erscheinen miserable literarische Arbeiten. Wann lohnt es sich, in aller Öffentlichkeit zu erklären, warum man glaubt, daß ein bestimmtes Buch, das man für schlecht hält, schlecht sei? Was immer ein Kritiker gegen ein solches Buch sagt, er hat es doch wohl nicht zufällig aus einer Fülle ähnlicher ausgewählt; die anderen ignoriert er, auf dieses lenkt er, ob er es will oder nicht, die Aufmerksamkeit des Publikums.

Mord und Verfolgung

Peter Handke ist nicht nur einer der beliebtesten, er ist auch einer der fleißigsten unter den jungen deutschen Autoren. Jedenfalls publiziert er pro Saison ein Buch, ein Theaterstück oder auch den Plan zu einem Theaterstück, zumindest publiziert er Zeitungsausschnitte, die er persönlich ausgesucht hat – kurzum, er hält seine Bewunderer und die Neugierigen in Atem.

Ein böser Wiener

Nur Kurt Schwitters könne über Kurt Schwitten schreiben, sagte Kurt Schwitters und pflegte seine Freunde mit erhobenem Zeigefinger zu ermahnen, kompetente und für die Nachwelt bestimmte Äußerungen zu Person und Werk doch lieber ihm selber zu überlassen.

Frankreich, schwerelos

In seinen direkt oder verkappt autobiographischen Romanen hatte François Nourrissier bereits über „Die Franzosen“ geschrieben, da er sich selber – ohne Komplexe, aber auch ohne „complaisance“ –; als einen typischen, sogar kleinbürgerlichen Vertreter seines Volkes und seiner Generation, der Vierziger, sieht.

KRITIK IN KÜRZE

„Shirley“, Roman von E. V. Cunningham. Leute, denen das Destruktive in der heutigen Literatur ein steter Stein des Anstoßes ist, kommen in diesem Roman voll auf ihre Kosten.

Hearing zum Bundeshochschulgesetz: Triumph der Assistenten

Das Hearing über Leussinks Thesen zum Hochschulrahmengesetz ist abgeschlossen. Statt der vorgesehenen drei Gesprächsrunden im Bundestagsausschuß für Bildung und Wissenschaft reichten am Ende fünf Sitzungen nur knapp aus, um die Vertreter der eingeladenen Interessengruppen zu jeder einzelnen der vierzehn Thesen zu Wort kommen zu lassen.

Die ewige Versuchung der Macht

Manchmal ist es geradezu rührend, mit welcher Naivität linke Weltverbesserer Lösungsvorschläge für soziale Probleme vorlegen.

Ketten für die Bosse?

Wolfgang Kartte, Wettbewerbsexperte in Karl Schillers Wirtschaftsministerium, muß es wissen: „Der Kampf um die Fusionskontrolle beginnt erst jetzt; die Verbände wetzen ihre Messer.

Mr. 10 Prozent

Während Wirtschaftsminister Karl Schiller die Konjunkturentwicklung vom Sanatorium aus verfolgen muß, hält sich Finanzminister Alex Möller nach so manchem Eindruck als eine Art Superminister für Konjunkturpolitik in der Reserve.

Quittung

Viele Mieter müssen in einen, sauren Apfel beißen. Ihre Hausbesitzer setzen die Mieten kräftig herauf. Die Finanzierungshelfer, die Sparkassen, haben nach der letzten Diskonterhöhung der Bundesbank die Hypothekenzinsen heraufgesetzt, weil sie selbst ihren Kunden für die Einlagen höhere Zinsen zahlen müssen.

Herren

Neuerdings sagt der Barmenia-Angestellte R. Schulpe zum Barmenia-Direktor H. Meiter „Guten Tag, Herr Meiter“; und wenn dem Schulpe das in den vielen Jahren zuvor eingeübte „Herr Direktor“ dazwischenrutscht, dann erweist sich der Schulpe als ein „positiv psychologisch“ nicht beeinflußbarer als ein für die Barmenia-Demokratie noch nicht reifer Versicherungsangestellter.

Geschäft mit Sex: Nackt füllt die Kassen

Wissen Sie“, erklärt das Mädchen in der Bar, „vor drei Jahren mochte ihn niemand – heute laufen alle hinter ihm her.“ Die Mädchen verfolgen Verleger Christian G.

Franzosen bleiben auf der Brücke

Am Freitag dieser Woche werden sich am Boulevard des Invalides im vornehmen 7. Arrondissement von Paris die Aktionäre der Roussel-Uclaf S.

Ulbricht muß kürzertreten

Die Wirtschaft der DDR setzt zum großen Sprung nach vorn an. Sie will jetzt endlich die richtige Kurve kriegen. Das etwas paradoxe Motto, von Walter Ulbricht kürzlich verkündet und von allen Genossen jetzt pflichtschuldigst wiederholt, heißt: "Überholen, ohne einzuholen.

Ein Abgeordneter liegt quer

Noch ehe Finanzminister Alex Möller den Startschuß erteilte, weiteres Staatsvermögen unters Volk zu streuen, wurde er schon wieder gebremst.

Prestige an letzter Stelle

Zwar stehen die Passagierschiffe oder „Musikdampfer“, wie man sie an der Küste nennt, rein zahlenmäßig an letzter Stelle der deutschen Handelsflotte, ansonsten liegt ihr Stellenwert aber wesentlich höher.

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