„Shirley“, Roman von E. V. Cunningham. Leute, denen das Destruktive in der heutigen Literatur ein steter Stein des Anstoßes ist, kommen in diesem Roman voll auf ihre Kosten. Hier siegt das Gute. Shirley, eine kleine Angestellte mit großem Mundwerk, deren Aggressivität sich aber immer im Rahmen einer guten Kinderstube hält, so daß man sie auch ein „tolles Früchtchen“ nennen könnte – besagte freche Shirley wird in eine mysteriöse Entführungsaffäre verwickelt. Dank ihrem Mut und einem unerschütterlichen Glauben an die Dummheit der Gauner kommt alles zu einem guten Ende – wenn man Ehemann und Erbschaft als ein solches ansehen will. Es wäre wohl nicht allzu weit gedacht, würde man den Autor schlichten Unvermögens verdächtigen, weil er die Fröhlichkeit, den Witz, den Charme und die Offenheit Shirleys penetrant übertreibt. Viel eher ist anzunehmen, daß diese Art der Darstellung ein wohldurchdachter Hommage an die Damenwelt ist, für die dieser Roman offensichtlich geschrieben wurde. (Verlag Droemer Knaur, München; 210 S., 14,80 DM) Christel Buschmann

„Belagerung“, Roman von Edwin Corley. Rings um Manhattan explodieren die Brücken, Harlem geht in Flammen auf, und der Bürgermeister von New York wird eigens für das Fernsehen hingerichtet: Der öffentliche Genickschuß bekräftigt die Drohrede eines früheren Dichters. Der Romanverfasser Edwin Corley malt den Bürgerkrieg von morgen aus. Die amerikanischen Schwarzen haben im stillen eine Befreiungsarmee gegründet und kämpfen – mit afrikanischen Geldern und Waffen – für einen eigenen Staat. Corley hat einerseits einen groben, ja rohen Thriller geschrieben, voll von Kriegskunst und Verschwörertricks, Schwarzweiß-Sex und gräßlichen Morden. Andererseits werden die Rassenunruhen der USA, mit ihren unterschiedlichen Zielen und Wegen, von einem Nachhilfelehrer der liberaleren Richtung erläutert – dumm ist die Mischung nicht. (Verlag Kurt Desch, München/Wien/Basel; 335 S., 24,– DM) Christa Rotzoll