München Bis zum 31. Mai, Neue Staatsgalerie (Haus der Kunst): „Deutscher Expressionismus, Gemälde der Sammlung Lothar-Günther Buchheim“

Die kurzfristig arrangierte Hängung der Gemälde, die normalerweise großenteils im Depot der Staatsgemäldesammlungen lagern, ist ein lobenswerter Beitrag zur Informationsfreiheit: Der im Zusammenhang des europäischen „Expressionisten“-Querschnitts (im gleichen Hause nebenan) etwas durcheinandergeratene Begriff des deutschen Expressionismus wird wieder zurechtgerückt, die „Brücke“-Maler werden wieder in ihre malerischen Rechte eingesetzt. Qualität – Buchheim hat diese Gemälde gekauft, als er noch aus einem großen Angebot auswählen konnte – hat Vorrang gegenüber taktischen Überlegungen, welche Werke man auswählen solle, um dem französischen Publikum die „Machart“ der deutschen „Fauves“, die schließlich die eigentlichen Wilden waren, akzeptabel erscheinen zu lassen (dieses Verfahren ist im Falle Beckmanns, schon einmal ins Auge gegangen!). Um Mißverständnissen vorzubeugen: diese notwendige Gegendarstellung zielt nicht auf Stärkung des nationalen Renommes, sie bereichert aber das Kontingent der anderen Ausstellung um einige wichtige Facetten, die kennenzulernen man den Parisern nicht vorenthalten sollte. Schmidt-Rottluffs „Dorfweg“ (1910) wiegt das ganze Kontingent seiner Arbeiten in der großen Ausstellung auf; Heckels „Schlafender Pechstein“ (ebenfalls 1910) könnte zeigen, daß der Maler nicht – wie die Auswahl nebenan nahelegt – ausschließlich Landschaften „porträtiert“ hat.

Auch der „Europäische Expressionismus“ ist nicht ohne Leihgaben aus Buchheims Besitz ausgekommen. Die Frage ist nur, warum man sich – am Ort der Ausstellung – dieser Quelle nicht ausgiebiger bedient hat. Sollte sich der

Sammler geniert haben, in dem etwas eigenartigen Sammelsurium noch häufiger seinen Bildern zu begegnen? Helmut Schneider

Weiterhin im Programm:

Baden-Baden Bis zum 3. Mai, Staatliche Kunsthalle: „Fernando Botero’

Erfüllt von dem Gedanken, daß die Welt rund und ihre Bewohner dick seien, bläst dieser Kolumbianer alles, was ihm unter den Pinsel kommt, zu einem Kugelformat auf, dem auch mit Punktdiät nicht mehr beizukommen ist Die Retrospektive geht weiter nach Düsseldorf, Hamburg und Bielefeld.