Wissen Sie“, erklärt das Mädchen in der Bar, „vor drei Jahren mochte ihn niemand – heute laufen alle hinter ihm her.“ Die Mädchen verfolgen Verleger Christian G. Herrmann („Meine Devise: Sex und Schönheit“), weil er ihre sekundären Geschlechtsmerkmale international und unüberschaubar ins Bild rückt; die Kapitalanleger sind hinter ihm her, weil er verspricht, ihr Geld zu mehren: Fünfzig Prozent Gewinn im Jahr ist das mindeste, was Verleger Herrmann Investoren verspricht.

Sein Versprechen publizierte Herrmann vor gerade zwei Wochen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Weltweites Sex-Imperium“ sucht tätige oder stille Teilhaber. Die Sexteilhabe verbunden mit der Spitzendividende von fünfzig. Prozent sorgte für Post: „Sie lachen sich tot“, so Herrmann, „über fünfzig Angebote.“

Der profitable Kern von Herrmanns „weitweitem Sex-Imperium“ ist „Daily Girl“, ein, wie der Untertitel verrät, „Sex Movie Magazin“; die Kalkulation ist gesund Preis: 7,50 Mark, davon 3,75 für den Verleger. Die unbestreitbaren Vorzüge des Magazins: Wenig Text und eine auf diesem Markt bislang nicht erreichte Häufung nackter Mädchen. Das Gros der Bilder und Texte liefert Deutschlands Filmindustrie kostenlos. Denn sie macht ihr Geschäft gerade auch mit nackter Haut – da kommt „Daily Girl“ als internationaler Werbeträger gerade recht.

Und international ist das Blatt: „Es erscheint in allen Kultursprachen“, sagt Herrmann, und es wird in über zwanzig Ländern vertrieben. Das Blatt existiert gerade ein Jahr, startete mit einer Auflage von 40 000 und hat heute, laut Impressum, eine Druckauflage von 150 000 Exemplaren (verkaufte Auflage: knapp 120 000).

Die Erfahrungen für seine Verlegerkarriere sammelte Herrmann als Abonnentenwerber für eine TV-Zeitschrift, als Nachtklub-Photograph und in der deutschen Vertriebsorganisation des „Playboy“. Mit 43 Jahren warf er seine erste eigene Nacktproduktion auf den Markt – einen Taschenkalender mit einer Aktaufnahme für jeden Tag des Monats. Mit 45 startete er sein Magazin, und jetzt mit 46, will er gegen den Großmeister der Branche, gegen Playboy-Verleger Hugh Hefner, antreten: Mit dem Geld der neuen Investoren soll, unter anderem, der amerikanische Mann fürs tägliche Mädchen gewonnen werden.

Doch dies nur unter anderem, denn Verleger Herrmann hat seine Bilderbuch-Produktion schon mit handfesteren Geschäften bereichert: Er verleiht junge Damen und ist an einem respektablen Unternehmen der Gastronomie beteiligt.

Mit seinem Berlin-Service „rent-a-girl“ verspricht Herrmann einsamen Frontstadt-Besuchern hübsche Gesellschaft für alles – ausgenommen Zärtlichkeiten. Die Einschränkung soll im Anstellungsvertrag der Damen fixiert sein: „Wer sich nicht dran hält, fliegt raus“ (Herrmann). Zudem unterschreibt der Damen-Mieter einen Revers, nicht „tätlich“ zu werden.