München

Der bayerische Kultusminister Huber, seit geraumer Zeit schon erklärter Buhmann der Christlich Sozialen Union, versucht im Landtags-Wahljahr nicht ohne Erfolg, wieder an Boden zu gewinnen.

So ließ er sich jetzt herbei, die perfiden Einschreibpraktiken für die Volksschulen, die er sich nach der Einführung der „Christlichen Gemeinschaftsschule“ ausgedacht hatte, zu ändern. Im vergangenen Jahr mußten alle Eltern von Abc-Schützen eine Erklärung abgeben, ob ihr Kind in eine „bekenntnisgleiche“ oder in eine konfessionell gemischte Klasse eingeschult werden solle. Die vorgedruckte Erklärung war so suggestiv pro Konfessionsklasse formuliert, daß viele Eltern, Lehrer und Politiker in Harnisch gerieten und dem Kultusminister vorwarfen, den Volksentscheid für eine christliche Gemeinschaftsschule im Nachhinein auf tückische Weise korrigieren zu wollen. Nun also läßt Huber wissen, daß die Eltern künftig nicht mehr zu einer solchen Erklärung verpflichtet sind; statt dessen bekommen sie einen Vordruck, „der sie eingehend über die gesetzlichen Vorschriften unterrichtet“. Zu diesem Vordruck gehört allerdings auch eine (vorgedruckte) Erklärung, die diejenigen Eltern ausfüllen können, die „der Einweisung ihres Kindes in eine bekenntnisgleiche Klasse zustimmen“.

In Bayern nämlich ist es trotz der Gemeinschaftsschule gesetzlich möglich, an öffentlichen Schulen auch weiterhin Konfessionsklassen einzurichten. Huber erklärte zwar, „daß den pädagogischen und schulorganisatorischen Erfordernissen bei der Klassenbildung in jedem Fall Vorrang zukommt“, jedoch wer bayerische Schulverhältnisse kennt, kennt auch die vielfältige Auslegbarkeit solcher „Erfordernisse“. C. J.